Sport : Rasende Herzen

Hertha gewinnt ein umkämpftes Stadtderby 2:1 bei Union – Ronny erzielt per Freistoß den Siegtreffer.

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Wie im Rausch. Einige Hertha-Spieler bejubeln in der Kurve ihrer Fans den Sieg über Union. Foto: dpa
Wie im Rausch. Einige Hertha-Spieler bejubeln in der Kurve ihrer Fans den Sieg über Union. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Ein Schuss – und ein ganzes Stadion verstummte. So war es vor anderthalb Jahren, als Torsten Mattuschka per Freistoß zum 2:1 für den 1. FC Union bei Hertha BSC traf. Am Montagabend wiederholte sich die Geschichte, nur auf der Gegenseite. Dieses Mal war es nicht Mattuschka, der mit einem direkt verwandelten Freistoß zum Sieg für seine Mannschaft traf, sondern Ronny. Und der spielt für Hertha BSC. Die Gäste siegten am Montagabend im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei vor 16 750 Zuschauern 2:1 (1:0).

„Das Derby ist eine große Herzensangelegenheit“, sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay und ergänzte: „Ich freue mich für unsere Fans, aber vor allem für unsere Mannschaft.“ Unions Trainer Uwe Neuhaus meinte: „Die Niederlage tut richtig weh. Ich kann der Mannschaft von der Einstellung her aber keinen Vorwurf machen.“ Besonders bitter für Union: Kurz vor Schluss verletzte sich auch noch Michael Parensen so schwer, dass er zu weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Ronny traf just in dem Moment, als das Spiel zugunsten von Union zu kippen begann. Wenige Minuten vor Ronnys Gewaltschuss war es der eingewechselte Christopher Quiring gewesen, der die Alte Försterei beinahe zum Explodieren gebracht hätte. Sein Kopfball zum 1:1 sorgte für einen Lautstärkepegel, wie er selbst in Köpenick nur ganz selten ist. Quiring rannte nach dem Tor über den halben Platz und wahrscheinlich rannte er neben seiner Freude auch den ganzen Frust heraus. Als es nämlich losgegangen war mit dem Derby zwischen Union und Hertha, da fand sich Quiring nur auf der Bank wieder.

Bei den Gastgebern versuchte Trainer Uwe Neuhaus den bisher schwachen Offensivleistungen mit der Hereinnahme von Adam Nemec entgegenzuwirken. Der wuchtige Slowake bildete mit dem kaum minder wuchtigen Simon Terodde den Angriff. In der Verteidigung verdrängte der genesene Fabian Schönheim Christoph Menz auf die Bank.

Auch Herthas Trainer Jos Luhukay veränderte seine Mannschaft im Vergleich zur Vorwoche. Sascha Burchert rückte für Thomas Kraft ins Tor (siehe nebenstehenden Text), in der Viererkette verteidigte Fabian Lustenberger auf rechts. Lustenbergers Debüt als Rechtsverteidiger hatte zur Folge, dass Hertha im fünften Spiel mit der vierten unterschiedlichen Besetzung in der Abwehr antrat. Neuzugang Peter Pekarik war noch nicht spielberechtigt.

Schon nach drei Minuten kam Verteidiger Roman Hubnik nach einem Freistoß am langen Pfosten an den Ball, setzte diesen per Kopf aber knapp vorbei. Hubniks Möglichkeit war der Auftakt zu einer rassigen Anfangsphase. Die Zweikämpfe wurden intensiv geführt, das Tempo war hoch. Fabian Holland grätschte im Mittelfeld Simon Terodde weg und sah dafür schon nach vier Minuten die Gelbe Karte. Kurze Zeit später flog Maik Franz von hinten gegen Adam Nemec ein. Das Berliner Derby lebte in der Anfangsphase von seiner Intensität, echte Torchancen gab es keine. Was sich zwischen den Strafräumen abspielte, war aber keineswegs uninteressant. Schiedsrichter Peter Gagelmann pfiff großzügig, was einige rassige Duelle zur Folge hatte. Unions Adam Nemec und Herthas Roman Hubnik gaben es sich in den Zweikämpfen ordentlich, genauso wie Änis Ben-Hatira und Marc Pfertzel. Ben-Hatira war es auch, der das erste Tor einleitete. Sein Anspiel ließ Peer Kluge mit dem Rücken zum Tor direkt in den Lauf von Sandro Wagner prallen. Der Stürmer zog aus kurzer Entfernung ab – Hertha führte. Wagners Schuss war für die Gastgeber wie ein Schlag in die Magengegend. Der 1. FC Union erholte sich davon bis zur Pause nicht mehr. Offensiv ging gar nichts, Hertha attackierte früh und verhinderte so einen konstruktiven Spielaufbau des Gegners. Trainer Jos Luhukay konnte mit seiner Mannschaft zufrieden sein.

Auf der Gegenseite hätte Uwe Neuhaus allen Grund gehabt zu wechseln, aber es war Luhukay, der mit Adrian Ramos den ersten Neuen zur zweiten Halbzeit brachte. In Erscheinung trat der Kolumbianer kaum, was auch daran lag, dass Hertha nicht mehr so schwungvoll aus der Kabine kam. Union erarbeitete sich ein optisches Übergewicht, aber es blieb alles beim Alten: Torchancen gab es keine. Erst als Patrick Kohlmann nach etwas mehr als einer Stunde aus spitzem Winkel Herthas Torhüter Sascha Burchert prüfte, schwang so etwas wie Gefahr mit. Kurz darauf ging ein Kopfball von Nemec knapp über das Tor, ehe Hubnik eine Flanke unfreiwillig verlängerte und Quiring traf. Während die Unioner jubelten, wechselte Luhukay fast unbemerkt Ronny ein. Und mit ihm den Sieg.

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