Sport : Rasender Verfall

Stefan Hermanns

über die Personalpolitik in Mönchengladbach Das Leben hält bisweilen seltsame Zufälle bereit. Gestern zum Beispiel informierte die Deutsche Sporthochschule Köln die Öffentlichkeit darüber, dass die angehenden Fußballlehrer künftig in der Hennes-Weisweiler- Akademie ausgebildet würden. Nach Hennes Weisweiler ist auch schon die Straße benannt, an der das neue Stadion von Borussia Mönchengladbach liegt. Elf Jahre lang, von 1964 bis 1975, hat Weisweiler als Trainer für den Verein gearbeitet und damit eine Tradition personeller Kontinuität geschaffen, die in der Bundesliga einmalig war. In 22 Jahren haben die Gladbacher drei Trainer beschäftigt. Inzwischen ist das ihr normaler Verschleiß im Laufe einer Saison.

Sportdirektor Christian Hochstätter, der vermeintlich Schuldige für die personelle Hyperfluktuation, hat gestern seinen Rücktritt erklärt. Die öffentliche Kritik hat ihn zermürbt, die mangelnde Unterstützung seiner Vorgesetzten gab ihm den Rest. Auf die Frage, ob Hochstätter nun auch gehen müsse, hat Präsident Rolf Königs nach dem Rücktritt von Trainer Dick Advocaat geantwortet: „Das Schöne am Fußball ist, dass man nach einer Saison immer Bilanz ziehen kann.“ Hochstätter ahnte, wie die Bilanz ausfallen würde.

Königs ist ein erfolgreicher Unternehmer, sein Fußballfachverstand aber steht in umgekehrtem Verhältnis zum wirtschaftlichen Erfolg seiner Unternehmen. Auch nach sechs Jahren in Borussias Präsidium fällt es ihm schwer anzuerkennen, dass Erfolg im Fußball sich nicht an Businesspläne hält. Seine Ungeduld ist der eigentliche Motor für die unerfreuliche Personalpolitik bei Borussia Mönchengladbach, und die Einstellung von Peter Pander als neuem Manager ist nicht weniger von Panik geprägt, als es die Verpflichtungen der Trainer Ewald Lienen, Holger Fach und Dick Advocaat waren. Christian Hochstätter aber wird man dafür nicht mehr verantwortlich machen können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben