Sport : Rasendes Deutschland

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Norbert Thomma über

die schwierige Liebe zu Michael S.

Kleiner Beitrag zur Patriotismusdebatte: Lieben die Deutschen zu wenig? Sind sie zu wenig… – ja: emphatisch?

Franzosen lieben Froschschenkel.

Amerikaner lieben ihre Waffen.

Italiener lieben ihre Mütter.

Engländer lieben das Königshaus.

Und wir? Wie ist das mit der Zuneigung zu einem der Besten, zu dem Schnellsten, Erfolgreichsten…, kurz: zu Michael Schumacher? Auffällig ist doch, dass in Deutschland eher ein Rhönradturner zum „Sportler des Jahres“ gewählt wird als der Formel-1-Weltmeister (letztmals 1995 geehrt!).

Gibt es also etwas, wofür der repräsentative Deutsche sich über viele Jahre begeistern kann? Eine Herzensangelegenheit, auch Stolz? Aber ja. Eine bescheidene Auswahl:

1) Johannes Heesters

2) Mercedes

3) Max Schmeling

4) CSU (gilt nur für Bayern)

5) Heidelberg

6) Bratkartoffeln

7) Willy Brandt

8) Reinheitsgebot

9) Zugspitze

10) Maggi

So, und nun prüfen Sie mal selbst Ihren Begeisterungspegel. Verhaltener Ausschlag, nur? Das ist genau das Problem. Begeisterung ist eine kurzfristige Sache. Wenn etwas ewig währt, wird es alltäglich, im schlimmsten Fall kommt es zu Überdruss. Mäkelei macht sich breit. Und Mitmenschen, die permanent von sich selbst irre begeistert sind, gehen einem fürchterlich auf den Keks. Permanente Begeisterung ist eine contradictio in adjecto. Oder um es in Michael Schumachers Sprache zu sagen: …ist wie Formel 1 fahren mit Gegenverkehr. Lieber nicht, oder?

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