Rassismus, Capello weg, Klubkrise : Das Dilemma des englischen Fußballs

Der englische Fußball steckt in der Krise. Neben Rassismusproblemen und Nationaltrainersuche, droht nun auch sportlich ein Dilemma. Erstmals seit 1995/96 könnten die Viertelfinals der Champions League ohne englische Beteiligung stattfinden.

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Didier Drogba droht mit Chelsea das frühe Aus in der Champions League.
Didier Drogba droht mit Chelsea das frühe Aus in der Champions League.Foto: dapd

Irgendwie scheint es, als hätte sich die Fußballwelt gegen die Engländer verschworen. Kein Nationaltrainer vier Monate vor der Europameisterschaft, ein durch den Premierminister, also von höchster Stelle festgestelltes Rassismusproblem und dazu noch der Insolvenzfall beim Traditionsverein Portsmouth.

Und nun kriselt es auch noch sportlich. Erstmals seit der Saison 1995/96 könnte es in der Champions League dazu kommen, dass kein englischer Verein im Viertelfinale vertreten ist. Ein fast unvorstellbarer Zustand, der den Weg der Überschuldung und Investoreneinstiege, die sich in England immer mehr häufen, in Frage stellt. Also schießt Geld doch keine Tore?

Ein Blick nach Manchester, wo sowohl United als auch City milliardenschwere Investoren aus den USA oder dem arabischen Raum hinter sich wissen. Doch haben ihre Millionentruppen in der Champions League bereits nach der Gruppenphase die Segel streichen müssen und versuchen nun ihr Glück in der ungeliebten Europa League. Die beiden Londoner Vereine sind zwar im Achtelfinale noch dabei, aber haben nach den Hinspielniederlagen (Arsenal 0:4 beim AC Mailand; Chelsea 1:3 in Neapel) ziemlich hohe Hypotheken in ihren Rückspiele zu begleichen. Auch diese Teams sind gespickt mit Stars, die durch die Investorenmillionen geholt wurden. Ist es also nur Pech, wenn die vier teuren Starmannschaften frühzeitig ausscheiden und kleinere Vereine aus Neapel oder Nikosia womöglich im Viertelfinale landen?

Womöglich war man sich auf der Insel der eigenen Stärke, durch die große Finanzkraft im Rücken, einfach zu lange zu sicher. Inzwischen sind viele Spieler in den Top-Teams überaltert oder wirken nicht mehr erfolgshungrig. Bei den Fans wird der Vorwurf lauter, die Spieler seien bloß Legionäre.

Dabei sind die englischen Teams personell immer noch mit vielen der besten Spieler besetzt, die man für Geld kaufen kann. Dieser Umstand ist aber offenbar nicht mehr entscheidend für den internationalen Erfolg.

Letztendlich kann man wie der russische Milliardär Roman Abramowitsch bisher über 900 Millionen investieren und darauf hoffen, dass ein renommierter Trainer mit Millionengehalt aus den zusammengekauften Einzelspielern eine schlagkräftige Mannschaft formt. Garantiert sind Titel dadurch aber nicht. Um langfristig erfolgreich zu sein, ist ständige Selbstkritik und das Hinterfragen der eigene Entscheidungen nötig. Aus Fehlern lernen ist vielleicht schlauer, als sie mit neuen Millionen zu übertünchen.

Sir Alex Ferguson hat damit schon angefangen und die Rotation bei der Mannschaftsaufstellung als seinen Fehler ausgemacht, der fürs Ausscheiden Manchester Uniteds in der Champions League mitverantwortlich war. Vielleicht nehmen sich auch andere Verantwortliche ein Beispiel an ihm, denn sonst könnte Spanien die Engländer schon in diesem Jahr in der Fünfjahreswertung der Uefa überholen und hätte neben dem stärksten Nationalteam auch die stärkste Liga der Welt.

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