Rassismus im Fußball : Schön und selbstverständlich

Danny da Costa, Fußballprofi vom FC Ingolstadt, ist am Sonntag im Spiel beim TSV 1860 München rassistisch beleidigt worden. Was daran so schön ist? Unser Autor freut sich, dass Rassismus in Deutschland nicht mehr überhört wird.

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Einer oder mehrere Zuschauer, so ganz sicher ist das noch nicht, riefen „Nigger“ oder „Schwarzes Schwein“, wann immer da Costa (hinten) am Ball war.
Einer oder mehrere Zuschauer, so ganz sicher ist das noch nicht, riefen „Nigger“ oder „Schwarzes Schwein“, wann immer da Costa...Foto: dpa

Es ist eine schöne Nachricht, die da aus München kommt: Danny da Costa, Fußballprofi vom FC Ingolstadt, ist am Sonntag im Spiel beim TSV 1860 rassistisch beleidigt worden. Einer oder mehrere Zuschauer, so ganz sicher ist das noch nicht, riefen „Nigger“ oder „Schwarzes Schwein“, wann immer da Costa am Ball war.

Was daran so schön ist? Dass es überhaupt eine Nachricht ist.

Es ist gar nicht so lange her, da hätte sich in deutschen Stadien niemand weiter über Affengebrüll oder Bananenwürfe beschwert. Weil das in deutschen Stadien eben der ganz normale Umgang war mit Fußballspielern etwas dunklerer Haut. Rassismus mochte bis weit in die achtziger Jahre hinein vielleicht keine allgemeine Geistesströmung sein. Aber groß darüber aufgeregt hat sich auch niemand.

Noch vor gar nicht langer Zeit löste Rassismus im Stadion rein gar nichts aus

Damals grunzten ganze Hundertschaften in den Fanblöcken auch vermeintlich fortschrittlicher Klubs, ohne dass es einen öffentlichen Aufschrei gegeben hätte. Am Sonntag genügte der geistige Durchfall einiger weniger Schwachköpfe, um den gastgebenden TSV 1860 München zu einer Strafanzeige und einer öffentlichen Entschuldigung zu bewegen.

Natürlich ist das eine Selbstverständlichkeit – und doch ein Konsens, von dem andere Länder nur träumen können. Zum Beispiel Italien. Am vergangenen Wochenende erst brachten sich die einschlägig bekannten Fans von Lazio Rom in Erinnerung mit einschlägigen Beleidigungen gegen die Turiner Profis Paul Pogba, Angelo Ogbonna und Kwadwo Asamoah. „Das sind Dummköpfe“, sagte Pogba. „Ich stehe allein gegen 30 000 Lazio-Fans.“

30 000! In einem Stadion! Rassisten sind im Italien des Jahres 2013 so selbstverständlich, dass sie kaum mehr jemand zur Kenntnis nimmt. In Deutschland sind sie Strafanzeige, öffentliche Entschuldigung und diesen Kommentar wert. Deshalb ist die Nachricht von Danny da Costa eine gute Nachricht.

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