Sport : Rassismus im italienischen Fußball

Paul Kreiner

Rom - „Dreckiger Neger!“, affenartiges Geheule, Buh-Rufe – nachdem sich Messinas Verteidiger Marc André Kpolo Zoro das bei jedem Ballkontakt hatte anhören müssen, reichte es ihm. In der 66. Minute des Serie-A-Spiels Messina gegen Inter Mailand nahm der 22 Jahre alte Fußballprofi von der Elfenbeinküste den Ball, rannte zur Bank seiner Mannschaft und wollte nicht weiterspielen. Teamkollegen und gegnerische Spieler konnten Zoro überreden, das Spiel mit zu Ende zu führen. Aber danach machte sich Empörung breit. „Warum geht diese Schande immer weiter?“, titelte die Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“.

Eigentlich war dieses Jahr ein Rückgang der rassistischen und antisemitischen Kundgebungen auf den Rängen gemeldet worden. Nur in vier von 120 Spielen des Jahres sei das berüchtigte Affengeheul zu hören gewesen, heißt es seitens des italienischen Fußballverbandes FIGC. Inter, Florenz und Ascoli mussten für rassistische Gesänge ihrer Fans in dieser Saison zahlen, aber insgesamt nur 18 000 Euro. Nur Lazio Rom wurde mit einer Strafe von 25 000 Euro belegt: Kapitän Paolo Di Canio hatte seine Fans mit erhobenem rechten Arm begrüßt. Die Fans hatten Hakenkreuzfahnen entrollt.

Die Attacken gegen Zoro indes gingen von den Inter-Fans aus. Anders als andere Vereine distanzierte sich Inter Mailand aber schon vor dem Vorfall von rechten Fangruppen. Klubpräsident Giacinto Facchetti sagte nach dem Spiel: „Wir bitten Zoro um Entschuldigung.“ Der sagte, er habe sich nur zum Weiterspielen überreden lassen, weil sich viele Inter-Spieler gegen Rassismus engagierten.

Der italienische Verband hat Ermittlungen eingeleitet. „Das ist ein schwerwiegender Fall“, sagte FIGC-Vizepräsident Giancarlo Abete und sicherte Zoro Solidarität zu. Zoro sagte: „Wir dunkelhäutigen Spieler kennen unsere Rechte. Mit diesem Rassismus muss endlich Schluss sein.“ Italiens Ligen wollen dazu beitragen. Sie beschlossen, alle Spiele dieser Woche fünf Minuten später anzupfeifen. Für diese Zeit sollen auf dem Rasen Antirassismus-Transparente ausgerollt werden. Sie sollen auch im Fernsehen unübersehbar sein.

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