Sport : Rassismus sieht Rot

Aktionen in Fußballstadien gegen Diskriminierung

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Berlin - Nicht nur in den großen Stadien soll an diesem Wochenende ein Zeichen gesetzt werden. 750 000 rote Karten gegen Rassismus werden Fans und Spieler vor Anpfiff in der Bundesliga, der Zweiten Liga und in den Regionalligen hochhalten. Der Berliner Fußball-Verband (BFV) hat gestern ein Plakat an seine knapp 300 Mitgliedsvereine verschickt, das auf Sportplätzen und in Vereinsheimen aufgehängt werden soll. Auf dem Plakat fordert der BFV seine Mitglieder auf, Zivilcourage zu zeigen. Beleidigungen sollen so eigenverantwortlich verhindert werden. „Wir können nur appellieren, dass sich die Leute über diese Dinge unterhalten und die Trainer mit ihren Jugendspielern reden“, sagt BFV-Vizepräsident Gerd Liesegang.

Nächste Woche will der BFV seine Schiedsrichter anweisen, wie sie bei rassistischen Äußerungen reagieren sollen. Anlass ist das Kreisligaspiel des TuS Makkabi bei der VSG Altglienicke am 26. September, bei dem Makkabi-Spieler antisemitisch beleidigt und bedroht wurden. Der Verband bestrafte Altglienicke mit einer Platzsperre und der Auflage, bei Heimspielen Ordner zu stellen. Den Schiedsrichter sperrte der BFV lebenslang.

Die aktuellen Maßnahmen im Profibereich sind Teil einer europäischen Aktionswoche gegen Rassismus. Eine ähnliche Aktion hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) 1992 mit der Initiative „Mein Freund ist Ausländer“ ins Leben gerufen. Neben den antisemitischen Vorfällen in Berlin hatten in den vergangenen Wochen Beschimpfungen gegen Nationalspieler Gerald Asamoah und den Nigerianer Adebowale Ogungbure Aufsehen erregt. Ogungbure war von Fans des Oberligisten Hallescher FC (HFC) bereits zum zweiten Mal beschimpft worden, der Verein wurde mit einer Platzsperre und einer Geldstrafe belegt und muss jede rassistische Äußerung seiner Fans unterbinden. Dazu sieht sich der HFC nicht in der Lage und hat Widerspruch gegen diesen Teil des Urteils eingelegt. „Als Viertligist fühlen wir uns allein gelassen“, sagt HFC-Sprecher Jörg Sitte, „eine Lösung kann es nur gemeinsam mit dem Nordostdeutschen Fußballverband – gerne auch mit dem DFB – geben.“ lsp

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