Sport : Rassismus-Skandal: Verona bleibt weiß

Werner Raith

Kein Ende der Rassismus-Skandale im italienischen Fußball: Giambattista Pastorello, Präsident des Erstligisten Hellas Verona, hat verlauten lassen, dass er Patrick Mboma, Nationalspieler Kameruns und derzeit beim AC Parma, nicht verpflichten werde, weil "die Anhänger meines Klubs keinen Spieler mit schwarzer Haut akzeptieren würden". Zwar nannte er das tags darauf einen "dummen Spruch", doch da hatte es bereits Proteste im ganzen Land gegeben, von der für den Sport zuständigen Kulturministerin Giovanna Melandri ("Ich mißbillige das aufs Schärfste") über den nationalen Fußballverband bis zum Nationalen Olympischen Komitee. Die Bürgermeisterin von Verona, Michela Sironi Mariotti, droht sogar mit der Schließung des Stadions, wenn derlei Diskriminierungen nicht sofort aufhören.

Seit Jahren ist bekannt, dass es in Italien eine Anzahl von Vereinen gibt, deren Anhänger zu einem beträchtlichen Teil offenem Rassismus anhängen. Am Sonnabend hatten etwa die Tifosi von Reggio den italo-äthiopischen Kicker Fabio Liverani bei jedem Ballkontakt ausgebuht (was ihn nicht abhielt, seine ersten Treffer zu schießen), in der Woche zuvor hatte es den farbigen Franzosen Lilian Thuram erwischt. Außer Verona verpflichten auch Lazio Rom und Atalanta Bergamo grundsätzlich keine farbigen Spieler. Die Äußerungen des Präsidenten fielen gerade in einem Moment, da sich der Fußballverband nach langer Zeit wieder einmal mit positiven Nachrichten hervorwagte: Man habe die in den letzten Monaten ausufernden Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung gebändigt: "Keinerlei Spruchbänder, keine Raufereien vor den Stadien, keine antisemitischen Parolen an den Wänden."

Der Präsident von Hellas Verona muss nun vor einer Kommission des Verbandes erscheinen und seine "Sätze erklären". Ansonsten muss er mit einer Disziplinarstrafe rechnen, die hin bis zur Amtsenthebung gehen kann.

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