Sport : Rassismus-Vorwürfe gegen U 21

Deutsche Nachwuchsfußballer sollen Engländer als „Affen“ beschimpft haben

Christian Hönicke,Stefan Tillmann

Berlin - Die Botschaft war schwer zu übersehen. „SAY NO TO RACISM“ stand in riesigen Buchstaben auf dem Banner, das die Spieler beider Mannschaften über den Rasen der Leverkusener Bayarena trugen. Offenbar erzielten die Worte bei den Zuschauern einen größeren Effekt als bei denen, die sie verbreiteten. Während des EM-Qualifikationsspiels der U 21 zwischen Deutschland und England (0:2) am Dienstag sollen die dunkelhäutigen Fußballer Micah Richards und Anton Ferdinand von deutschen Spielern rassistisch beschimpft worden sein. Nach Angaben des Englischen Fußball-Verbandes (FA) wurden sie als „Monkeys“ („Affen“) tituliert.

„Zwei Spieler, darunter Ferdinand, sind nach dem Spiel zu mir gekommen und haben sich darüber beschwert, dass sie rassistisch beleidigt worden sind“, sagte der deutsche Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng, der selbst dunkelhäutig ist. „Ich habe davon nichts mitbekommen, aber ich habe in der Kabine danach gefragt.“ Daraufhin hätten ihm einige Mitspieler lediglich berichtet, dass sie selbst, unter anderem von Anton Ferdinand, beleidigt worden seien. „Auch ich bin beschimpft worden – aber nicht rassistisch“, sagte Boateng. Der deutsche Trainer Dieter Eilts will ebenfalls von Rassismus auf dem Platz nichts mitbekommen haben. Auf Geheiß des DFB befragte er trotzdem alle Spieler telefonisch zu den Vorfällen. „Die Jungs haben mir gesagt, dass es viele Wortgefechte und verbale Auseinandersetzungen gab, die aber keinen rassistischen Hintergrund hatten.“

Dem Vernehmen nach soll es sich bei einem Beschuldigten um den Offensivspieler Aaron Hunt handeln. „Ich habe keine rassistischen Ausdrücke gebraucht“, sagte Hunt am Mittwoch. „Natürlich hat es in diesem Spiel von beiden Seiten einige heftige verbale Auseinandersetzungen gegeben, aber so etwas passiert in jedem Spiel.“

Hunt ist der Sohn einer Engländerin und eines Deutschen und bringt zumindest die sprachlichen Voraussetzungen für angelsächsischen Trashtalk mit. In seiner noch jungen Karriere ist er bereits mehrfach Opfer seines unbedarften Auftretens geworden. In Diskotheken geriet der 20-Jährige insgesamt dreimal in Handgreiflichkeiten und dadurch in Kontakt mit Polizei und Staatsanwaltschaft. Kevin-Prince Boateng mag jedoch nicht daran glauben, dass sein Zimmerkollege bei der U 21 rassistisches Gedankengut pflegt. „Ich kann mir das nicht vorstellen“, sagt Boateng. „Aaron ist kein Rassist.“

Der englische Verband sieht die Angelegenheit ein wenig anders und will die Europäische Fußball-Union (Uefa) in einem Bericht über die Vorkommnisse vom Dienstag informieren. „Rassismus ist eine ernste Angelegenheit. Das muss untersucht werden, und wenn etwas vorgefallen ist, wird es Konsequenzen haben“, sagte Uefa-Präsident Lennart Johansson der BBC. Offiziell will die Uefa zu dem Fall aber erst Stellung beziehen, wenn sie den Bericht des Schiedsrichters Jaroslav Jara erhalten hat. Ein mögliches Strafmaß nannte Uefa-Pressesprecher William Gaillard: „Die Fifa hat neue Regeln erlassen, die in Extremfällen Punktabzüge oder sogar einen Ausschluss aus dem Wettbewerb zulassen.“ Ein Ausschluss aus der laufenden EM-Qualifikation würde die deutschen Spieler allerdings nur bedingt treffen: Das haben sie durch die 0:2-Niederlage gegen die Engländer bereits selbst geschafft.

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