Sport : Rationale Ostalgie

Friedhard Teuffel

erklärt den Aufstieg von Erfurt und Dresden Samstag und Sonntag waren zwei gute Tage für die deutsche Einheit. Rot-Weiß Erfurt ist in die Zweite Fußball-Bundesliga aufgestiegen, Dynamo Dresden wird mit Sicherheit folgen. Das sind zwei Siege für den Osten Deutschlands, denn es sind zwei Traditionsvereine zurückgekommen, die so bekannt sind wie der Rotkäppchen-Sekt.

Sie sind jetzt auch wieder erfolgreich, obwohl sie zwischenzeitlich schon öde erschienen wie ein Braunkohlerevier. Der Aufstieg von Dresden und Erfurt in die Zweite Liga hat deshalb eine andere Bedeutung als der des FC Energie Cottbus vor vier Jahren in die Bundesliga. Cottbus war ein Symbol für den Kampf einer strukturschwachen ostdeutschen Region gegen die wohlhabenden Klubs aus dem Westen. Dresden und Erfurt stehen dagegen für die besten Zeiten des DDR-Fußballs und für hohe Identifikation. Ihr Aufstieg zeigt, dass auch die prominentesten Klubs des DDR-Sports überleben können, wenn sie sich mit der marktwirtschaftlichen Realität abfinden.

Der Fehler der ostdeutschen Traditionsklubs war schließlich, dass sie zu schnell wieder dahin kommen wollten, wo sie in der DDR standen. Diese Ansprüche wurden von drittklassigen Managern aus dem Westen ausgenutzt, die einen Klub nach dem anderen über den Tisch zogen. Regionalliga und Oberliga wurden zu Sammelbecken der ostdeutschen Traditionsvereine. Dresden und Erfurt beweisen nun, dass es einen Ausstieg nach oben gibt, wenn ein Klub ökonomische Grundregeln befolgt. Das Aufstiegsgefühl in Dresden und Erfurt ist daher vielleicht so etwas wie rationale Ostalgie.

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