Sport : Ratlos in Schwarz-gelb Dortmund stürmt, aber verpatzt den Auftakt

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Der Mann provozierte Mitleid: Bert van Marwijk kauerte auf dem Podium im Presseraum des Dortmunder Westfalenstadions. Als „siegender Holländer“ war van Marwijk im Stadionheft von Borussia Dortmund angekündigt worden, doch diese plakative Schlagzeile auf der Titelseite ist erst einmal als fehlerhaft entlarvt worden. Borussia Dortmund hat nach dem frühen Ausscheiden aus dem UICup nun auch den Start in die neue Bundesligasaison verpatzt: 1:2 gegen den VfL Wolfsburg.

Ausgerechnet Wolfsburg, der Lieblingsgegner des BVB, den die Dortmunder zuvor zu Hause sechsmal besiegt hatten. Doch nicht allein das unerwartete Ergebnis war für die Frustration im Dortmunder Lager verantwortlich. Die Gastgeber stürmten und kombinierten munter drauflos und erspielten sich Chancen, „um drei Spiele zu gewinnen“ (Sebastian Kehl). Doch weil sein Team es versäumte, drei bis vier Tore zu schießen, wirkte der Trainer regelrecht erschüttert. „Nicht oft in meiner Laufbahn war ich so enttäuscht wie heute.“

Der Mann aus Rotterdam hatte bei seinem Team zehn Chancen gezählt, „auf Bundesliga-Niveau ist das sehr viel“. Dortmund hatte sogar 15 Einschussmöglichkeiten, aber weil nur Ewerthon traf, standen die Gastgeber nach den beiden Gegentoren von Thomas Brdaric als Verlierer da.

Der Deutsche Meister 2002 zieht also schon früh Kritik auf sich. Mit der Verpflichtung van Marwijks verbinden sich viele Hoffnungen. Der neue Mann soll Aufbruchstimmung erzeugen, die ersten Eindrücke waren sehr positiv. Der Nachfolger von Matthias Sammer lässt viel mit dem Ball trainieren und gibt den in der jüngeren Vergangenheit oft uninspirierten Profis durch sein positives Auftreten den Spaß am Fußball zurück.

Was van Marwijk will, war in der schwül-heißen Atmosphäre des Westfalenstadions zu erkennen. Der BVB agierte mit Herz und Elan, die Zuschauer registrierten den Abschied von der spielerischen Armut mit freundlichem Wohlwollen. „Niemand kann uns vorwerfen, nicht alles versucht zu haben“, sagte Sebastian Kehl. Doch was nutzt das alles, wenn es am Ende noch nicht einmal zu einem Erfolg über die mittelmäßigen Wolfsburger reicht?

„Bei halbwegs normaler Chancenauswertung hätten wir Wolfsburg aus dem Stadion geschossen“, sagte Kehl. „Aber man kann viel Positives aus diesem Spiel ziehen, und wenn uns das gelingt, wird unsere Kurve wieder nach oben zeigen.“ Symptomatisch für den Dortmunder Auftritt war das Wirken von Tomas Rosicky. Der Tscheche wirbelte enorm. Allein: Er versagte vor dem Tor genauso wie alle anderen. „Wir haben Geschenke verteilt, ich allein hätte fünf Tore schießen müssen.“ Der Tscheche, der noch vor kurzem von angeblichen Traumangeboten geredet hatte und unbedingt weg wollte, besitzt derzeit einen begrenzten Marktwert.

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