Rauchen : Qualmfreie Zonen

Die Diskussion ums Rauchen macht auch vor der Fußball-Bundesliga nicht halt. Einige Vereine erwägen ein Rauchverbot in den Stadien.

karsten Doneck,Lars Spannagel
Ernst Happel
Nie ohne Zigarette: Der frühere HSV-Trainer Ernst Happel. -Fotot: Imago

Berlin - Ernst Happel hätte den Job in Hamburg abgelehnt. Garantiert. Niemals hätte sich der eigenwillige Trainer und Kettenraucher auf derlei Beschränkungen eingelassen. Ernst Happel ohne den geliebten Glimmstängel, diese starke Belga, ein Produkt der belgischen Zigarettenindustrie? Undenkbar. Doch der im November 1992 verstorbene Österreicher trainierte den Hamburger SV in den Achtzigerjahren – zu einer Zeit also, als sich Nichtraucher noch in einer allenfalls zähneknirschenden Liberalität mit der rauchenden Bevölkerung arrangierten.

Die Zeiten haben sich geändert. Beim Hamburger SV zum Beispiel brechen für Raucher wohl bald härtere Zeiten an. Katja Kraus, Vorstandsmitglied beim HSV und um innovative Ideen nie verlegen, sagt: „Wir überlegen, die Nichtraucherbereiche im Stadion auszuweiten.“ Im Familienblock der Hamburger Arena, einem speziellen Bereich für Eltern mit ihren Kindern, herrscht schon jetzt ein Rauchverbot. Das wird ganz ohne Aufpasser eingehalten, die Selbstregulierung funktioniert. Katja Kraus stellt aber auch fest, dass der HSV „kein völlig rauchfreies Stadion anstrebt“, nur in mehr Teilbereichen der Arena soll die Zigarettenschachtel gefälligst in der Hosentasche bleiben.

Der HSV liegt damit im Trend. Auch bei anderen Bundesligaklubs ist das Thema Nichtraucherschutz längst in der Diskussion. Nur noch in München, Stuttgart, Bremen und Cottbus wird nach Herzenslust gequalmt. Unter anderem darf auch in Dortmund, Schalke und im Berliner Olympiastadion in bestimmten Blöcken nicht geraucht werden. Der BVB hat zu Saisonbeginn ein Rauchverbot auf der 3500 Zuschauer fassenden Familientribüne eingeführt. „In den ersten zwei oder drei Spielen musste man die Fans noch auf das Verbot hinweisen, dann war das gelernt“, sagt der Leiter Organisation bei der Borussia, Christian Hockenjos. Bislang wurde der Wunsch nach weiteren Nichtraucherzonen noch nicht an den Verein herangetragen. „Aber wenn das der Fall ist, dann werden wir uns natürlich mit dem Thema auseinandersetzen“, sagt Hockenjos. Ein Problem bei der Durchsetzung sieht er nicht, solange die Entscheidung von den Fans mitgetragen wird. Gesetzlich verpflichtet werden können Fußballvereine bislang noch nicht – die Nichtraucherschutzgesetze der Länder behandeln Stadien in der Regel als „nicht vollständig geschlossene Räume“, in denen das Rauchen erlaubt bleibt.

Deswegen setzt Sabine Bätzing, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, auf eine „freiwillige Selbstverpflichtung“ der Bundesligaklubs, um vor allem Familien und Kinder auf den Tribünen vor Rauch zu schützen. In der Stadionordnung könnten Vereine und Stadionbetreiber als Veranstalter ein Rauchverbot festlegen.

Weiter geht eine Forderung von Hans-Ludwig Meyer, dem Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands. Meyer würde Zigaretten am liebsten überall verbieten, wo der Ball rollt; vom Spielfeldrand der KreisligaSportplätze bis zum Profigeschäft. „Der Sport muss ein Zeichen setzen, dass Drogen nicht toleriert werden“, sagte Meyer, „und Zigaretten sind nun mal Drogen.“ In den „Lübecker Nachrichten“ beschwor Meyer ein noch weitaus größeres Horrorszenario für manchen Fußballfan herauf: „Meinetwegen können wir das Bier gleich mit aus den Sportstätten verbannen.“

Auch wenn dieser Schritt wohl noch weit entfernt ist: Die Idee vom rauchfreien Fußball existiert schon länger. Die Weltmeisterschaften 1994 in den USA und 2002 in Japan und Südkorea waren rauchfrei, offiziell jedenfalls. Das ist auch für 2010 in Südafrika angedacht. Schon 1999 unterzeichneten Fifa und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Memorandum mit dem gemeinsamen Ziel, Tabak aus dem Fußball zu verbannen. Für die WM 2006 in Deutschland wagte die Deutsche Krebshilfe unter ihrer Präsidentin Dagmar Schipanski einen Vorstoß in die gleiche Richtung. Fifa-Präsident Joseph Blatter und Cheforganisator Franz Beckenbauer erhielten einen offenen Brief. Ergebnis? Negativ. In Deutschland gab es kein generelles Rauchverbot in den Stadien, da es, wie Gerd Graus, der damalige Sprecher des WM-Organisationskomitees sagte, „nicht durchsetzbar ist“. In den Stadien wurde dann lediglich vor den Gefahren des Rauchens gewarnt. Auch bei der Europameisterschaft im kommenden Sommer wird auf den Tribünen geraucht werden dürfen – nicht aber auf den Trainerbänken.

Und die Fans? Auch da gehen die Meinungen auseinander. Aber es muss ja nicht gleich so weit gehen, wie ein Fan von Eintracht Frankfurt befürchtet. Der schrieb im Internetforum seines Klubs: „Das nächste ist dann die Currywurst, die verboten wird. Das ist ungesunde Kost, und wir haben ja schon viel zu viele übergewichtige Menschen in unserem Land.“

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