Sport : Raus aus der Sonne

Wie Albas Justin Brown zum Basketball fand

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Justin Brown ist ein ruhiger Mensch. Wenn man dem Basketball-Profi von Alba Berlin eine Frage stellt, kann es schon mal ein paar Sekunden dauern, ehe der 24-Jährige eine Antwort gibt. Doch das Warten lohnt sich: Justin Brown hat eine interessante Geschichte zu erzählen. Sie handelt davon, wie der Australier den Basketballsport entdeckte.

Acht Jahre war Justin Brown alt, als er in Perth an der australischen Westküste mit der Leichtathletik begann. „Im Hochsprung, Weitsprung und beim Dreisprung habe ich viele Schulrekorde aufgestellt“, sagt er. Die Weiten und Höhen maß stets seine Mutter. Sie begleitete ihren Sohn zu allen Wettkämpfen. Bis sie eines Tages zu einer Routine-Untersuchung ins Krankenhaus ging. Überraschend diagnostizierten die Ärzte Hautkrebs bei ihr. Browns Mutter durfte unter keinen Umständen an die Sonne. Und da in Perth fast das ganze Jahr die Sonne scheint, konnte sie ihn nicht mehr zu den Wettkämpfen begleiten. Sie hat damals gesagt: Such dir eine Hallensportart aus, ich will dich weiterhin begleiten.“

Da Brown mit 16 Jahren bereits 2,05 Meter groß und in den Sprungdisziplinen am besten war, fiel ihm die Entscheidung leicht: Basketball. „Vorher hatte ich es zwar nie gespielt, aber es hat mir auf Anhieb sehr viel Spaß gemacht“, sagt er. Und er war auf Anhieb gut: Nur ein paar Monate, nachdem er angefangen hatte, bekam er ein Stipendium an einer Sportschule. Dort wurde er von amerikanischen Talentspähern entdeckt, die ihm Stipendien für verschiedene amerikanische Universitäten anboten. Der Familienmensch Brown entschied sich für Connecticut, „weil meine Tante dort in der Nähe wohnt“. Fünf Jahre blieb er an der Universität, bekam allerdings nicht viel Einsatzzeit. „Dafür hatte ich mehr Zeit zum Studieren.“ Die hat er genutzt: Der 24-Jährige machte gleich zwei Abschlüsse, in Soziologie und in Kommunikationswissenschaften.

Trotzdem bekam er nach seiner Studienzeit Angebote von Profiklubs aus aller Welt. Brown hätte zurück in seine Geburtsstadt Perth gehen können, zu den Wildcats, die dem ehemaligen NBA-Spieler und Australier Luc Longley gehören. „Luc hat mir ein gutes Angebot gemacht, doch ich wollte nach Europa, um gegen härtere Konkurrenz zu spielen und besser zu werden. Die australische Liga ist nicht so stark“, sagt Brown. Nach einem mäßigen Jahr bei Snaidero Udine in Italien wechselte der 24-Jährige vor dieser Saison zu Alba Berlin. „Auch in Berlin läuft es noch nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte“, sagt Brown.

Der Center kam bislang nur selten zum Einsatz, und meistens dann, wenn die Spiele bereits entschieden waren. Am vergangenen Sonntag in Bamberg stand Brown erstmals überraschend in der Startformation. Nach fünf mäßigen Minuten nahm ihn Albas Trainer Emir Mutapcic vom Feld und ließ ihn auf der Bank. „Ich schaffe es noch nicht, das, was ich im Training lerne, im Spiel umzusetzen“, sagt der Centerspieler. Emir Mutapcic sieht es ähnlich. „Justin trainiert sehr gut, nur ist er manchmal zu unkonzentriert.“ Man dürfe aber nicht vergessen, dass er erst spät mit dem Basketball angefangen hat. Mutapcic sagt: „Sein Talent ist noch längst nicht ausgeschöpft.“

Dass Brown heute bei Albas wichtigem Uleb-Cup-Spiel in der Max-Schmeling-Halle gegen Debreceni Vadkakasok (19.30 Uhr, live auf TV Berlin) wieder anfangen wird, ist unwahrscheinlich. Alba steht nach zwei Uleb-Cup-Niederlagen gegen die bislang sieglosen Ungarn unter Zugzwang. „Dieses Spiel ist sehr, sehr wichtig für uns“, sagt Mutapcic. Er dürfte erneut auf die Spieler setzen, die schon etwas länger Basketball spielen.

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