Sport : Rausgehauen

Sunday Oliseh hat seinen Bochumer Kollegen Hashemian verprügelt – nun wurde er vom Verein suspendiert

Richard Leipold

Bochum. Die beiden Spieler hatten sich schon in der Halbzeitpause gestritten. Sunday Oliseh und Vahid Hashemian, beide angestellt beim Fußball-Bundesligisten VfL Bochum, beschimpften sich bei der Partie gegen Hansa Rostock am Samstag gegenseitig; so sehr, dass Kapitän Dariusz Wosz und Torhüter Rein van Duijnhoven dazwischengehen mussten. Sie verhinderten eine handgreifliche Auseinandersetzung – doch die fand später statt. Oliseh brach seinem Kollegen nach dem Spiel das Nasenbein. Der musste in die Klinik. Und Oliseh, der von Borussia Dortmund ausgeliehene Profi, muss den Verein verlassen. Am Montag wurde er vom VfL Bochum suspendiert.

Nach Spielende hatte van Duijnhoven den streitenden Kollegen vor laufender Kamera geraten, ihren Disput hinter verschlossenen Türen auszutragen. Dieses Rates hätte es nicht bedurft. Wie Insider berichten, hatte Oliseh zu dieser Zeit die Kabinentür längst abgeschlossen, um mit Hashemian Klartext zu reden. Der als zurückhaltend bekannte Stürmer warf Oliseh vor, er überschreite seine Kompetenzen. „Du bist nicht der Kapitän. Wenn jeder Spieler der Chef sein will, geht die Mannschaft kaputt.“ Dann soll der Satz gefallen sein, den Oliseh als Beleidigung aufgefasst hat. „Wir sind hier nicht in Nigeria.“ Wie Insider berichten, verlor der frühere Kapitän der nigerianischen Nationalmannschaft die Kontrolle. Spätestens in diesem Augenblick war er nicht mehr der „weltmännische Junge“, als den ihn Trainer Peter Neururer vor kurzem noch hingestellt hatte.

Der VfL Bochum galt lange als intakter Fußballverein, frei von großen Erfolgen, aber auch frei von Skandalen. Das familiäre Flair des Reviervereins wurde vor allem von den Spielern geschätzt. In dieser Saison spielt die Mannschaft noch erfolgreich Fußball. Just an dem Tag, an dem sie mit dem 0:0 gegen Rostock den vierten Tabellenplatz erklomm, nahm das saubere Image Schaden.

Der Vorstand und die Mitspieler hatten nicht mit einer Eskalation der Gewalt gerechnet, obwohl Oliseh schon früher empfindlich auf vermeintliche Anspielungen reagierte, die seine Herkunft betrafen. „Man kann in einen Menschen nicht hineinschauen“, sagte VfL-Kapitän Wosz, der Olisehs Verpflichtung vor gut einem Jahr gegen skeptische Stimmen verteidigt hatte. Oliseh soll die Tat inzwischen bereuen. Doch die Einsicht kommt zu spät. Angesichts der Tragweite des Vorfalls sei die Suspendierung unvermeidlich gewesen, sagte VfL-Vorstand Dieter Meinhold auf Nachfrage. „Wir sind schockiert.“

Offenbar mit Blick auf ein mögliches juristisches Nachspiel vermeidet die Vereinsführung jede Stellungnahme, die über „die umfangreiche und ausführliche Pressemitteilung hinausgeht“ (siehe Kasten). Die Kopfnuss in Hashemians Gesicht könnte vielfältige Folgen hervorrufen.

Neben dem VfL Bochum als aktuellem Arbeitgeber wird sich nun Borussia Dortmund mit der Sache befassen müssen. Der BVB hat Olisehs Dienste dem Nachbarverein überlassen und zahlt angeblich zwei Drittel des Gehalts. Das Leihgeschäft ist bis 30. Juni befristet. Danach ist Oliseh noch für ein Jahr an den BVB gebunden, falls es nicht zu einem Transfer kommt. Dennoch sehen die Dortmunder derzeit keinen Handlungsbedarf. „Für die Dauer des Leihgeschäfts ruht der Vertrag zwischen Oliseh und Borussia Dortmund“, sagte BVB-Sprecher Josef Schneck. „Wir sind von der Angelegenheit nicht betroffen.“ Oliseh hatte vor einigen Wochen angekündigt, er wolle nach dieser Saison nicht zu Borussia Dortmund zurückkehren. Die jüngste Entgleisung dürfte den Marktwert des 29 Jahre alten Profis stark beeinträchtigen, zumal er in den nächsten Monaten auf dem Fußballplatz keine Werbung in eigener Sache mehr machen kann.

Der Austausch schlagkräftiger Argumente unter Kollegen ist in der Bundesliga nichts Neues. Beim deutschen Rekordmeister Bayern München ist es mehrmals zu handfesten Auseinandersetzungen gekommen (siehe Text rechts).

Anders als beim VfL Bochum hatten die Schlägereien bei den Bayern aber keine Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Mannschaft. Der Bochumer Trainer Peter Neururer indes wird nun sein Team umstellen müssen. Auf das Spiel am Samstag bei Hertha BSC hat das indes noch keine Auswirkungen, da Oliseh wegen der fünften Gelben Karte sowieso gesperrt gewesen wäre. Als erster Anwärter für Olisehs Position im zentralen defensiven Mittelfeld gilt Miroslav Stevic. „Er kann diese Position spielen“, sagt Wosz. Deshalb müsse die Trennung von Oliseh nicht unbedingt eine Schwächung bedeuten. Die Mannschaft werde sich von dieser Personalie nicht beirren lassen. „Es gibt Dinge, die man einfach vergessen muss.“

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