Sport : Rauswurf in der Halbzeitpause

Die Disqualifikation von Albas Trainer Luka Pavicevic könnte noch ein Nachspiel haben

Benedikt Voigt

Berlin - Eines vorweg: Das hochklassige Basketballspiel vom Dienstagabend in der Max-Schmeling-Halle hat in Alba Berlin (102:85) einen verdienten Sieger gefunden. Die Berliner Startformation verspricht eine aufregende Zukunft. Kaum zu glauben, dass Bobby Brown (21 Punkte, 9 Assists) lediglich als zweiter Aufbau geplant war, bemerkenswert wie Julius Jenkins (27 Punkte, 5 Dreier) unter dem neuen Trainer aufblüht, beeindruckend wie Dijon Thompson (13 Punkte, 10 Rebounds), Dragan Dojcin (14 Punkte, 10 Rebounds, 5 Assists) und Patrick Femerling (15 Punkte) sich präsentieren. „Alba hat sehr gut gespielt“, sagt John Patrick, Trainer der BG 74 Göttingen, „die emotionale Explosion des Trainers war nur eine Nebensache.“ Allerdings eine, die Folgen haben könnte.

In der Halbzeitpause ist Albas Trainer Luka Pavicevic disqualifiziert worden. Er musste die Halle verlassen, anschließend coachte Kotrainer Petar Aleksic die Mannschaft. „Wir haben erst in der Kabine von der Disqualifikation erfahren“, sagt Julius Jenkins, „aber wir kennen unsere Systeme, wir müssen unsere Jobs machen, ob er da ist oder nicht.“ Ob Pavicevic am Freitag in Leverkusen wieder an der Seitenlinie stehen darf, entscheidet nun der Spielleiter der Basketball-Bundesliga, Dirk Horstmann. „Ich höre Alba an und fälle wohl vor dem Leverkusenspiel eine Entscheidung“, sagt Horstmann. Was die Schiedsrichter Pavicevic vorwerfen, will er aufgrund des schwebenden Verfahrens nicht beantworten.

Alba Berlin versuchte zwei Stunden nach dem Spiel die Ereignisse herunterzuspielen. „Ich denke ich habe keine Grenze überschritten, ich habe keine unflätige Sprache benutzt“, sagt Luka Pavicevic. Es wirkte anders. Auslöser war ein Foulpfiff an einem Berliner Spieler kurz vor der Halbzeitpause. „Das war ein klares Foul“, sagt Göttingens Trainer. „Der Göttinger Spieler ist ausgerutscht“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Als die Spieler auf dem Weg in der Kabine waren, ging Pavicevic auf Schiedsrichter Darius Moczulski zu. „Er wollte wissen, warum so gepfiffen wurde“, sagt Marco Baldi. Schiedsrichter Hesse kam dazu, woraufhin sich Pavicevic sichtlich aufregte und ein Technisches Foul erhielt. Pavicevic schimpfte weiter, schoss wütend den Spielball quer über das Spielfeld - und wurde disqualifiziert. Beim Rausgehen trat er gegen einen weiteren Gegenstand. „Unser Trainer ist ein leidenschaftlicher Trainer, der das Spiel intensiv lebt“, sagt Henning Harnisch. „er sieht zwar eigen aus, aber er hat Manieren und sucht die Kommunikation mit den Schiedsrichtern.“

Nicht so manierlich fand allerdings Göttingens Trainer das Berliner Verhalten. „Es gab physischen Kontakt“, sagt John Patrick, „es sah wie ein Wrestling-Match zwischen Alba und den Schiedsrichtern aus, der Assistant Coach rannte auf mich zu, als ob er mit mir kämpfen wollte.“ Schiedsrichter Darius Moczulski erklärt jedoch, dass Petar Aleksic lediglich schlichten wollte.

Alba sagt, es sei Pavicevic, der neu in der Bundesliga ist, um Respekt gegangen. „Beigetragen hat auch, dass der Göttinger Trainer zuvor bei der gleichen Situation auf dem Feld stand, was für die Schiedsrichter in Ordnung war, und als unser Trainer sich erkundigt hat, war es nicht okay“, sagt Marco Baldi, „da reagiert ein Trainer sensibel.“ Der Göttinger Trainer moniert hingegen, dass Alba von der ersten Minute an provoziert habe, als sein Spielmacher Dwayne Kirkley mit blutendem Mund vom Feld musste. John Patrick sagt: „Es gibt bei Alba offenbar viel Druck.“

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