Reaktionen auf Armstrongs Beichte : "Nur ein kleiner Schritt"

Die Radsportwelt zeigt sich wenig überrascht von Lance Armstrongs Erklärungen zu seiner Doping-Vergangenheit. Die US-Anti-Doping-Agentur fordert weitere Geständnisse von dem Texaner. Nur der Radsport-Weltverband UCI ist hochzufrieden damit, unbelastet davongekommen zu sein.

Halb versteckt. Armstrong gestand einiges, aber noch lange nicht alles.
Halb versteckt. Armstrong gestand einiges, aber noch lange nicht alles.Foto: dpa

Als „kleinen Schritt in die richtige Richtung“ hat USADA-Chef Travis Tygart am Freitag das TV-Geständnis von Lance Armstrong bezeichnet. Der durch seine Behörde längst als Doper überführte Texaner hätte „endlich zugegeben, dass seine Radsport-Karriere aus einer kraftvollen Kombination aus Doping und Betrug“ bestanden hätte, sagte der Chef der US-Anti-Doping-Agentur. Wenn es Armstrong ernst damit sei, „seine Fehler zu korrigieren, muss er unter Eid ein vollständiges Geständnis seiner Doping-Aktivitäten“ ablegen, erklärte Tygart weiter. In einer 1000 Seiten umfassenden Anklageschrift hatte die USADA im vergangenen Oktober Armstrong Doping nachgewiesen und ihn lebenslang gesperrt. Außerdem waren dem 41-Jährigen alle seine Tour-Erfolge aberkannt worden. Vor seinem Gang zu Winfrey hatte Armstrong laut Medienberichten in einem Gespräch mit Tygart ausloten wollen, ob er bei einem Geständnis die Chance auf Reduzierung der Strafe hat.

Im Gegensatz zur USADA begrüßte der Radsport-Weltverband UCI Armstrongs Erklärungen. "Armstrongs Entscheidung, sich der Vergangenheit zu stellen, ist ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zur Wiederherstellung des
Vertrauens in den Sport“, erklärte der selbst heftig umstrittene und mehrfach zum Rücktritt aufgeforderte UCI-Chef Pat McQuaid. Armstrong hatte den Dachverband vom Verdacht der Korruption und Einflussnahme bei den Doping-Kontrollen ausdrücklich freigesprochen und die Effektivität der heutigen Anti-Doping-Maßnahmen gelobt. „Armstrong hat bestätigt, dass es keine Verschwörung und keine Absprachen zwischen ihm und der UCI gegeben hat“, meinte McQuaid.

Armstrongs gesammelte Lügen
"Ich bin vom Totenbett aufgestanden. Ich wäre verrückt, mich zu dopen", sagte Lance Armstrong am 19. Juli 1999, dem zweiten Ruhetag der Tour de France. Am Ende in Paris gewann er die Rundfahrt zum ersten Mal. "Ich bin ein sehr glücklicher Mensch und habe ein reines Gewissen."Alle Bilder anzeigen
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16.01.2013 12:36"Ich bin vom Totenbett aufgestanden. Ich wäre verrückt, mich zu dopen", sagte Lance Armstrong am 19. Juli 1999, dem zweiten...

Bei John Fahey, dem Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, sorgte Armstrongs Beichte für Verstimmung. Fahey übte vor allem an der Aussage des Ex-Radprofis, durch den jahrelangen Dopingkonsum lediglich faire Voraussetzungen schaffen zu wollen, heftige Kritik. Dieser Kommentar sei „ein bequemer Weg zu rechtfertigen, was er getan hat - nämlich betrügen“, sagte Fahey der Nachrichtenagentur AP. Durch solche Aussagen werde Armstrong „völlig unglaubwürdig“, ergänzte er. Der WADA-Boss war von dem Auftritt enttäuscht. „Er hat keine Namen genannt, hat nicht verraten, wer ihn (mit Dopingmitteln) versorgt hatte, welche Funktionäre involviert waren“, bemängelte Fahey und ergänzte: „Falls er auf Erlösung aus war, war er nicht erfolgreich.“

Vom Treppchen ins Kittchen
"Apache" ohne Pferdestärken: Carlos Tevez, Stürmer von ManCity, wurde beim Fahren ohne Führerschein erwischt. Der Lappen war ihm bereits im Januar entzogen worden, weil er nicht auf die Briefe der Polizei wegen zu schnellen Fahrens reagiert hatte. Tevez muss nun 250 Sozialstunden absolvieren und 1.200 Euro Strafe zahlen. Schon vor ihm sind diverse Sportler mit dem Gesetz kollidiert.Weitere Bilder anzeigen
1 von 18Foto: AFP
03.04.2013 14:48"Apache" ohne Pferdestärken: Carlos Tevez, Stürmer von ManCity, wurde beim Fahren ohne Führerschein erwischt. Der Lappen war ihm...

Die deutschen Radprofis Marcel Kittel und Jens Voigt haben sich am Freitag wenig überrascht über die Ausssagen von Lance Armstrong gezeigt. Nach den Anklagen der US-Anti-Doping-Agentur USADA sei „klar gewesen, in welche Richtung das Gespräch gehen würde“, sagte Voigt. Er habe das Interview nicht live gesehen, weil er zur Vorbereitung auf die Tour Down Under im australischen Adelaide beim Training war. „Die Leute mögen Geständnisse, aber es wird für Lance sicher noch ein langer Weg“, meinte der RadioShack-Fahrer. Dem Team gehörte zuletzt auch Armstrong an. „Um es auf den Punkt zu bringen: Eigentlich ist nichts Neues rausgekommen“, sagte Kittel, „und außerdem ist immer noch nicht ersichtlich, was sein Ziel ist.“ Voigt monierte eine gewisse Laxheit Armstrongs bei seinen angebotenen Entschuldigungen. „Ich habe gegen ihn nur ein, zwei Rennen verloren. Das war nicht schlimm. Aber es gibt sicher andere, die haben viel mehr unter ihm gelitten. Da wird noch mehr nötig sein, als ein kurzes Sorry über den Bildschirm“, meinte der 42-jährige Berliner.

Für den Ex-Radprofi und Doping-Kronzeugen Jörg Jaksche hat Armstrong „keine Reue gezeigt, das war die Pflichtaufgabe, um sein Image aufzupolieren“. Jaksche vermutet, dass für das Gespräch mit der Talk-Queen Oprah Winfrey viel Geld geflossen sein muss. „Vielleicht hat er soviel bekommen, wie er im Prozess gegen sein ehemaliges US-Postal-Team angeboten hat“, sagte Jaksche. Der Texaner hatte nach US-Medienberichten für die Einstellung des Verfahrens fünf Millionen Dollar geboten.

Der dopinggeständige Ex-Profi Rolf Aldag setzt große Hoffnungen „auf den dritten Teil“ der Armstrong-Ausführungen. „Das war der erste Teil, morgen kommt der zweite und hoffentlich bald der dritte, nicht
öffentliche, vor der Polizei, der Justiz, der USADA oder Wada“, sagte der jetzt im Management der Tony-Martin-Mannschaft Omega Pharma Quickstep arbeitende Aldag nach dem ersten Part des zweigeteilten
Interviews. „Das Allerschwierigste ist das Zugeben - ich weiß, wovon ich rede“, meinte Aldag, der 2007 eine Fernsehbeichte abgelegt und Doping gestanden hatte. (dpa)

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