Sport : Real ernüchtert

Borussia Dortmund liefert in Madrid gute Arbeit ab, verliert aber 1:2

Felix Meininghaus

Madrid. Wer aufmerksam das Aufwärmprogramm von Real Madrid beobachtete, konnte leicht zu dem Schluss kommen, das sei eine recht alberne Jugendmannschaft, die sich da auf das Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund vorbereitete. Ronaldo jonglierte munter mit dem Ball und erhielt dafür spontanen Applaus vom Publikum, während sich die Ballfreunde Zidane, Raul und Figo beim lockeren fünf gegen zwei amüsierten. Die Spieler des Deutschen Meisters spulten derweil biedere Übungen ab. Es war ein Spiegelbild der folgenden 90 Minuten: Die Gastgeber siegten dank spielerischer Dominanz mit 2:1 (1:1), während sich die Westfalen über weite Strecken auf solide Fußballarbeit beschränkten. Dortmund liegt nach dem dritten Spieltag der Zwischenrunde auf Platz drei der Gruppe C, allerdings mit nur einem Punkt Rückstand auf den heutigen Gegner.

Es hatte zu Beginn eine Zeitlang gedauert, bis sich Dortmund von der Umklammerung des Tabellenzweiten der Primera División lösen konnte. Trotz ihrer Überlegenheit konnten sich die Madrilenen zunächst keine Torchancen erspielen, die erste hatte auf der Gegenseite Ewerthon, der eine zu kurze Kopfballabwehr direkt per Dropkick nahm, allerdings weit über das Tor schoss. Präziser zielte wenig später dessen Sturmkollege Jan Koller. Der Tscheche erhielt bei einem der wenigen Entlastungsangriffe den Ball von Tomás Rosicky und jagte ihn unhaltbar für den spanischen Nationaltorwart Iker Casillas ins linke untere Eck (30.) - es war der einzige Schuss, der in der ersten Halbzeit auf sein Tor flog.

Der Titelverteidiger ließ sich von dem Rückstand jedoch nicht beeindrucken. Gelassen trug Real Angriff um Angriff auf das Dortmunder Tor vor. Allein zwischen der 36. und 38. Minute kamen Zidane, Figo und Ronaldo drei Mal von der Strafraumgrenze zum Schuss, scheiterten aber allesamt. „Wir hatten in dieser Phase zu viele Ballverluste“, sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, „bei der Klasse von Reals Stürmern ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis man ein Gegentor kassiert.“ Tatsächlich: Kurz vor der Halbzeit zahlte sich Reals Dominanz aus – wenngleich nicht als Resultat ihres Kombinationsfußballs, sondern als Ergebnis einer Dortmunder Unaufmerksamkeit. Die Innenverteidiger Christoph Metzelder und Christian Wörns, die schon vergangene Woche beim Länderspiel der Deutschen gegen Spanien erhebliche Probleme mit der Bewachung Rauls hatten, passten auch diesmal nicht ausreichend auf den kleinen Spanier auf. Im Liegen stocherte Raul den Ball an den beiden vorbei ins Dortmunder Tor.

Nach dem Wechsel gestaltete das Team von Matthias Sammer die Begegnung offener, bemühte sich, „selbst öfter in den Abschlussbereich zu kommen“, wie Zorc in der Pause gefordert hatte, und hatte nach einem feinen Sololauf Ewerthons eine gute Gelegenheit. In Führung aber ging Real. Nach einer scharfen Hereingabe von Zinedine Zidane brauchte Ronaldo den Ball nur noch aus kurzer Entfernung über die Linie des Dortmunder Tores zu stupsen. In der Folgezeit versuchte Dortmund, den Druck zu erhöhen, suchte dazu immer wieder Jan Koller, doch echte Chancen sprangen nicht mehr heraus.

„Wir haben wie schon gegen Mailand gemerkt: Wir können mithalten, aber es fehlen noch ein paar Prozent“, sagte Metzelder nach dem Spiel. Auf die nächste Bewährungschance braucht er nicht lange warten. In fünf Tagen reist Madrid zur Neuauflage nach Dortmund. Vermutlich recht gelassen.

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