Real gegen Barcelona : Ein Spiel gegen die Demokratie

„Clásico“ - Heute trifft Real Madrid auf den FC Barcelona – eine Art Privatduell um die spanische Meisterschaft.

Manuel Meyer[Barcelona]
Fit für Madrid. Nach überstandenen Muskelproblemen ist Sami Khedira ebenso bei seinem ersten „Clásico“ dabei wie Mesut Özil. Foto: dpa
Fit für Madrid. Nach überstandenen Muskelproblemen ist Sami Khedira ebenso bei seinem ersten „Clásico“ dabei wie Mesut Özil. Foto:...Foto: dpa

Der Fußball schadet der Demokratie. Zumindest in Katalonien. Dort fanden am Sonntag Regionalwahlen statt. Doch groß war die Wahlbeteiligung nicht. Die meisten Katalanen waren in Gedanken wohl schon bei einem viel wichtigeren Ereignis. Heute findet im Camp Nou der „Clásico“ statt, das wohl spektakulärste Vereinsduell der Welt. FC Barcelona gegen Real Madrid – das ist Krieg ohne Waffen, Spanien gegen Katalonien, Cristiano Ronaldo gegen Lionel Messi.

Das brisante Duell wurde sogar auf den Montag verschoben, um nicht gleichzeitig mit den Wahlen stattzufinden. Niemand hätte wählen wollen, während sich die zwei besten Klubs der Welt das Spiel des Jahres liefern. Es wird ein „denkwürdiges Spiel“, verspricht Barcelonas Verteidiger Gerard Piqué. Die Fans sehen’s ähnlich. Für eine Eintrittskarte wurden bereits 3000 Euro auf dem Schwarzmarkt geboten.

Nicht nur in Spanien bringt das Spiel der Spiele Fußballfans um den Verstand. Bis zu 400 Millionen Menschen dürften das Match verfolgen, das live in 200 Ländern übertragen wird und das in Deutschland legal im Internet unter www.laola1.tv zu sehen ist. Fast 900 Journalisten aus 28 Ländern berichten aus dem mit über 90 000 Zuschauern ausverkauften Camp Nou Stadion. Alle wollen die Partie sehen, an der 13 Weltmeister und 10 aktuelle Kandidaten für den Titel des Weltfußballers des Jahres teilnehmen.

„Dieses Mal könnte sogar das – sonst in übertriebener Weise gebrauchte – Etikett des Jahrhundertspiels gerechtfertigt sein“, schreibt die Zeitung „El Periódico de Catalunya“. Nicht alle sind aber glücklich über dieses Privatduell um die Meisterschaft. „Wenn sich daran nichts ändert, stirbt die Liga einen langsamen Tod“, warnt der Kolumnist John Carlin in derZeitung „El País“. „Dieses Spiel kann die Liga entscheiden“, meint auch Real-Keeper und Kapitän Iker Casillas. „Im letzten Jahr haben wir beide Clásicos verloren und waren am Ende drei Punkte hinter Barça. Diesmal werden wir aber im Camp Nou gewinnen.“ Tatsächlich kommen die Madrilenen in beeindruckender Form und mit einem neuen Rekord nach Barcelona. Noch nie haben die „Königlichen“ in den ersten zwölf Spielen 32 Punkte erspielt. Der aktuelle Tabellenführer hat bisher nicht ein einziges Spiel verloren. Im letzten Ligaspiel schlug das Team von Startrainer José Mourinho Bilbao mit 5:1. Vergangenen Dienstag gewannen Madrid in der Champions League 4:0 bei Ajax Amsterdam.

Vor allem Ronaldos Torhunger ist enorm, mit 15 Toren ist er führender Schütze in der Liga. Dennoch müsse man vor allem auf Mesut Özil achten, warnt Barça-Star Messi. Der ehemalige Bremer wird wie sein deutscher Landsmann Sami Khedira, der seine Muskelbeschwerden überwunden hat, sein erstes Clásico von Beginn an erleben. In Spanien ist schon spekuliert worden, Mourinho könne Özil für eine defensivere Ausrichtung opfern. Ob mit oder ohne Özil – es dürfte in jedem Fall ein sehr ausgeglichenes Duell werden. Barça hat Heimvorteil und befindet sich ebenfalls in Höchstform. Die Mannschaft von Trainer Josep Guardiola liegen mit nur einem Punkt hinter Madrid, am Mittwoch schlugen sie Panathinaikos im Champions League Auswärtsspiel mit 0:3, im letzten Ligaspiel feierte Barça mit einem 0:8 gegen Almeria sogar den höchsten Auswärtssieg in der spanischen Liga seit 51 Jahren.

Zum Schluss entscheiden wohl die Nerven über Sieg oder Niederlage – und natürlich die Motivation. Motivierter dürften dabei die Madrilenen sein, denn man hat nicht nur die vergangenen vier Clásicos verloren, sondern hat seit dieser Saison auch José Mourinho als Trainer. Wie kein zweiter weiß der Portugiese Spieler vor Spitzenspielen zu motivieren, seine Erfolge sind beeindruckend. Von 389 Spielen als Trainer hat er nur 46 verloren, ist seit acht Jahren bei Heimspielen ungeschlagen. Der geniale Taktiker hat es in nur drei Monaten geschafft, aus einer Ansammlung von Stars ein Team zu formen. Mutig verzichtete er auf alte Helden wie Raúl, holte junge Talente. Madrid fühle sich so stark wie seit den „Galaktischen“ um Zidane nicht mehr, schwärmt Casillas. Wie gut sie sich auf Dauer fühlen dürfen, entscheidet sich am Montagabend.

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