Sport : Real, Juventus oder Milan

Der VfB Stuttgart wünscht sich einen großen Gegner für die K.-o.-Runde der Champions League

Martin Hägele

Stuttgart. Auch am Morgen danach dudelte die Begeisterung über das Wunder von Stuttgart auf allen Kanälen des Südwestdeutschen Rundfunks. Wer immer sich im Hoheitsgebiet des Senders befand, und das geht von Augsburg bis Köln, hörte Andreas Hinkel im Radio. „Was hier abgeht, ist einfach nur noch unglaublich“, schrie der junge Nationalverteidiger. Hinkel musste schreien, weil man ihn sonst gar nicht verstanden hätte bei dem unglaublichen Lärm, den über 50 000 Menschen im Gottlieb-Daimler-Stadion auch noch eine Viertelstunde nach dem 1:0-Erfolg des VfB über den Schottischen Meister Glasgow Rangers veranstaltet haben. „Rosa Zeiten für die Roten“, wie der Traditionsklub aus Bad Cannstatt seit 110 Jahren genannt wird, versprach der Leitartikel der „Stuttgarter Nachrichten“; und der Kommentator der „Stuttgarter Zeitung“ empfahl seinen Lesern, sich doch den 26. Mai schon mal vorzumerken. An diesem Tag steigt in der Arena Auf Schalke das Finale der Champions League.

Also, spinnen die jetzt alle im Schwabenland? Sehen sie jetzt keine Grenzen mehr für ihre überwiegend jugendlichen Himmelsstürmer? Ist vielleicht alles etwas zu schnell gegangen? Immerhin hat sich ein Teil dieser Mannschaft vor nicht einmal zweieinhalb Jahren gerade noch vorm Abstieg in die Zweite Liga gerettet. Timo Wenzel hat die schlechten Zeiten damals mitgemacht, und als gleich zu Beginn dieser Runde der VfB zu einer Spitzenmannschaft in der Liga wurde, schien für den bodenständigen Verteidiger kein Platz mehr zu sein. Vor dem denkwürdigen Sieg gegen Manchester United wurde der 25-Jährige zum ersten Mal aus dem 18-köpfigen Kader gestrichen. Mit Tränen in den Augen saß Wenzel auf der Tribüne, während sich seine Kollegen vor einem Millionenpublikum in Trance spielten. Und nur weil der Brasilianer Bordon operiert wurde, rückte Wenzel vor fünf Wochen wieder ins Team. Er sollte, so gut es ging, dessen Stellvertreter sein in der statistisch besten Hintermannschaft des Kontinents, weil man, wie Wenzel selbst sagt, „einen Bordon nicht ersetzen kann“.

Und ausgerechnet dieser Spieler schoss am Mittwoch das 1:0 gegen die Rangers. Mit verschwitztem Trikot saß er um Mitternacht vor 200 Journalisten und acht Fernsehkameras und soll dort erst mal sein persönliches Märchen und dann auch noch das Wunder VfB erklären. Er fühle sich ganz gewiss nicht als Held, in erster Linie freue er sich für die Mannschaft, sagte Wenzel. „Wir alle hoffen, dass wir jetzt einen überragenden Gegner bekommen. Dann wird sich zeigen, wie weit wir in der Champions League kommen.“ Am besten also Real oder Juventus oder Titelverteidiger AC Mailand.

Gegen große Namen hat auch Trainer Felix Magath nichts einzuwenden – aber bitte doch erst im Viertelfinale, so dieses denn erreicht wird. Erst einmal will der Trainer mit seinem VfB als Gruppensieger in die K.-o-Runde einziehen. Dafür reicht schon ein Remis im letzten Vorrundenspiel in zwei Wochen in Manchester. Die Gewinner der Vorrundengruppen erhalten jeweils einen der acht Tabellenzweiten fürs Achtelfinale zugelost, also keine der absoluten Topteams. Zudem dürfen sie das Rückspiel vor eigenem Publikum austragen.

Für Magath ist das Wunder von Stuttgart noch längst nicht vorbei. Für ihn ist es auch kein Märchen, sondern das Zwischenergebnis einer ganz besonderen Zusammenarbeit. Er müsse ein paar Jahrzehnte zurückdenken, um etwas Ähnliches zu sehen. „Ich hatte auch schon als Spieler Erfolg“, sagte Magath am Mittwoch. „Ich war mit dem Hamburger SV dreimal Deutscher Meister, dreimal Vizemeister, wir haben zwei Europapokale gewonnen, wir waren damals die Nummer eins vor dem FC Bayern. Und jetzt sind wir mit dem VfB Stuttgart hoffentlich auf dem Weg dorthin.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben