Sport : Real Madrid - Bayern: Helden der Arbeit

Für die meisten Menschen in Deutschland ist der 1. Mai, der Tag der Arbeit, ein arbeitsfreier Feiertag. Die Fußballspieler des FC Bayern München hingegen verrichteten gestern noch am späten Abend Schwerstarbeit. Ihr kämpferischer Einsatz im Bernabeu-Stadion zu Madrid machte sich bezahlt. 1:0 gewannen die Bayern bei Real Madrid durch ein Tor des Brasilianers Giovane Elber. Der Auswärtssieg eröffnet den Münchnern alle Chancen, das Finale der Champions League am 23. Mai in Mailand zu erreichen. Am kommenden Mittwoch im Rückspiel genügt ihnen bereits ein Unentschieden fürs Weiterkommen. Allerdings muss der Deutsche Meister dann auf seinen Mannschaftskapitän Stefan Effenberg verzichten, der für ein Foul an Luis Figo seine fünfte Gelbe Karte in dieser Saison sah.

"Ich wollte unbedingt dabeisein", sagte Giovane Elber, der nur zwölf Tage nach seiner Knieoperation das entscheidende Tor gegen den Titelverteidiger erzielte. Garant des Erfolges war neben Elber ausgerechnet die zuletzt so vielgescholtene Abwehr um den überragenden Libero Patrik Andersson. Doch obwohl Real bisher alle fünf Gastspiele in München verloren hat, warnte Elber: "Wir sind noch nicht weiter."

Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hatte gegen die heimstarken Spanier auf die defensivere Variante gesetzt, verzichtete zunächst auf Stürmer Carsten Jancker und berief stattdessen Willy Sagnol als zusätzliche Absicherung auf der rechten Seite in die Anfangself. Mit Elber und Jens Jeremies waren auch die beiden Rekonvaleszenten nur zwei Wochen nach ihren Knieoperationen erstmals wieder von Anfang an dabei. Die Münchner zogen sich - ähnlich wie im Viertelfinale bei Manchester United - sehr weit zurück, igelten sich förmlich in der eigenen Hälfte ein und hofften auf Konter. Und wie Manchester United tat sich auch Real Madrid, das die bisherigen sieben Champions-League-Heimspiele allesamt gewonnen hatte, sehr schwer mit dieser Taktik. Die 75 000 Zuschauer sahen bei ungewöhnlich kühlen Temperaturen um fünf Grad ein eher taktisch geprägtes Spiel.

Real war zwar die klar überlegene Mannschaft, agierte aber nicht so druckvoll und zielstrebig, um das Münchner Abwehr-Bollwerk zu knacken. Der englische Dribbelkünstler Steve McManaman, der ebenso wie Portugals Superstar Luis Figo bei Ballbesitz in Doppeldeckung genommen wurde, kam kaum zur Geltung. Auch die beiden Sturmspitzen Raul und Guti fanden gegen Kuffour und Linke selten eine Lücke. Die einzig hochkarätige Chance in der ersten Halbzeit hatte Raul (30.), als er den Ball aus stark abseitsverdächtiger Position knapp am langen Pfosten vorbeispitzelte. Drei Minuten zuvor scheiterte Figo mit einem 18-Meter-Schuss an Torhüter Oliver Kahn.

Einziges Manko der Münchner in der ersten Halbzeit war, dass sie ihrerseits ganz selten nur zu Entlastungsangriffen kamen. Im zentralen Mittelfeld verloren Jeremies und vor allem der sonst so zweikampfstarke Effenberg zu schnell die Bälle, oder brachten den Gegner mit schlampigen Abspielen wieder in Ballbesitz. Nur ein Konter endete in der ersten Halbzeit mit einer vielversprechenden Möglichkeit, die Mehmet Scholl aber in der 20. Minute mit einem halbherzigen Linksschuss nicht nutzen konnte.

Sechs Minuten nach der Pause machte es Elber besser. Nach einem von Salihamidzic gewonnenen Kopfball-Duell riskierte er aus 20 Metern einen Volley-Drehschuss und überraschte damit Reals Keeper Iker Casillas. Die Madrider kamen danach zwar einige Male gefährlich vor das Tor von Oliver Kahn, konnten den überragenden Torhüter allerdings nicht bezwingen.

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