Real Madrid : Ende des Durchwurschtelns

Real Madrid scheitert im Pokal an einem Drittligisten – der wortkarge Trainer Bernd Schuster gerät immer mehr unter Druck.

Julia Macher[Barcelona]
Schuster
Bernd Schuster wird vorgeworfen, unnahbar zu sein. -Foto: dpa

Niemals klang Placido Domingos geschmettertes „Hala Madrid“ höhnischer aus den Lautsprechern des Santiago-Bernabeu-Stadions als am Dienstagabend nach Ende des Pokalspiels gegen Real Unión Irún. Real Madrid hatte es mit dem 4:3 nicht geschafft, das 2:3 aus dem Hinspiel auszugleichen. Geschlagen und aus dem Cup geworfen von einem Drittligisten trotteten die amtierenden Spanischen Meister vom Spielfeld. Und da drehte der Tontechniker die Vereinshymne etwas lauter. Er glaubte, so die Pfiffe aus den Rängen übertönen zu können, vergeblich. Bernd Schusters Versuch, die Kritik an der schwachen Leistung seines Teams mit drei dahingeknurrten Kommentaren zu kontern, war nicht viel erfolgreicher.

Eine knappe Stunde ließ er die Presse warten, um dann in drei Minuten ein paar Fragen zu beantworten. Ob ihm die Niederlage gegen einen Drittligisten peinlich sei? Er gratuliere Irún zum verdienten Sieg. Real Madrid könne Gegnern zu wenige Optionen entgegensetzen. Warum das Team eigentlich so viele Tore kassiere? Das wisse er auch nicht, sagte Schuster. Dabei war die Frage durchaus berechtigt. Sechzehn Tore musste der Tabellenvierte bisher in der Liga einstecken. Die Abwehr um Fabio Cannavaro und Christoph Metzelder ist reaktionsschwach, gegen Real Unión zeigte sie sich auch bei Standardsituationen von ihrer löchrigsten Seite, Ersatztorwart Dudek war zu bemitleiden. Raúls Hattrick und der Treffer des geschickt agierenden Nachwuchsspielers Alberto Bueno waren am Ende zu wenig.

Bisher hat Schuster in dieser Saison das Konzept des Durchwurschtelns praktiziert. Nach dem Aus im Pokal und der doppelten Niederlage gegen Juventus Turin in der Champions League funktioniert das nicht mehr. Ruud van Nistelrooy, der doch immer irgendwie den Weg zum Tor fand, ist verletzt und lässt sich in den USA am Knie behandeln. Vorzeigeverteidiger Pepe kämpft ebenfalls mit Blessuren und allein Torwart Iker Casillas und Real-Urgestein Raúl machen noch kein galaktisches Dream Team. Doch das Problem ist nicht allein, dass der Mannschaft die großen Namen fehlen. Auch mit den vorhandenen Spielern weiß Schuster nicht viel anzufangen. Seine Fähigkeiten als Motivator und Krisenmanager sind bei den Königlichen umstritten. Spieler beschreiben ihn als schweigsam und unnahbar. Niederlagen kann Schuster schwer verschmerzen und noch schlechter verkaufen. Öffentlichkeitsarbeit ist seine Sache nicht. Ein schönes Beispiel dafür bot sein Auftritt nach dem Cup-Aus. Ob er jetzt um seinen Job fürchte, wollte ein Journalist wissen. „Ich mache mir keine Sorgen um meine Zukunft, verstehe aber, das andere das tun.“ Mit etwas gutem Willen lässt sich der Satz als Ausdruck eines etwas merkwürdigen nihilistischen Buddhismus lesen, im Wissen darum, dass Trainersessel ohnehin Schleudersitze sind.

Doch der gute Wille ist den spanischen Medien abhanden gekommen. Für sie sind solche Sätze Zeichen von Arroganz, ebenso wie Schusters Schiedsrichterbezichtigungen und seine chronisch schlechte Laune. Laut Radio Marca hat angeblich Miguel Ángel Portugal, Ex-Trainer der Zweitmannschaft und derzeit technischer Sekretär bei Real Madrid, einen Wink von der Klubleitung erhalten: Falls Schusters Mannschaft am Samstag gegen Valladolid verliert, solle er kurzfristig in die Bresche springen. Auch Juande Ramos ist als Nachfolger im Gespräch. Das Lancieren von Gerüchten gehört zu den liebsten Sportarten der Vereinsleitung und meist enden sie mit einem Trainerwechsel: Fabio Capello – Schusters Vorgänger, der trotz des Meistertitels im Sommer gehen musste – könnte viel darüber erzählen.

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