Real Madrid : Gareth Bale, der Linksaußen von der rechten Seite

Auf der falschen Seite? 91-Millionen-Euro-Einkauf Gareth Bale fremdelt bei Real Madrid. Bei seinem vorherigen Verein Tottenham Hotspur war das noch ganz anders.

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Schnell und teuer: Gareth Bale, Real Madrids kostspieliger Stürmer aus Wales. Foto: Imago
Schnell und teuer: Gareth Bale, Real Madrids kostspieliger Stürmer aus Wales.Foto: Imago

War ja nett gemeint. Kurz bevor Gareth Bale zu Real Madrid wechselte, riet ihm die englische Boulevardzeitung „The Mirror“, schon mal Spanisch zu lernen. Schließlich würde das die Eingewöhnung erleichtern. Fürsorglich druckte das Blatt zehn Sätze, die nach Meinung des Autors unerlässlich wären. Etwa: „Spiel mich nicht auf dem rechten Fuß an!“ Und zum Schluss: „Mein Gott, ich hätte Tottenham nie verlassen sollen!“

Gut möglich, dass Gareth Bale nach einem halben Jahr in Madrid seinen Wechsel tatsächlich bereut. Auch wenn er das natürlich nicht sagt. Bale, der wohl 91 Millionen Euro Ablöse kostete und damit einer der teuersten Fußballer der Welt wäre, betont stets, wie wohl er sich beim Klub seiner Träume fühle.

Nur verrät sein Gesichtsausdruck oft etwas anderes. Vor allem wenn er auf dem Feld steht. Dann wirkt der 24 Jahre alte Offensivspieler meist teilnahmslos und verfolgt das Geschehen wie ein ganz gewöhnlicher Zuschauer, der den besten Fußballern der Welt beim Ausüben ihres Berufes zusieht. Ganz selten ist er mal der, um den sich alles dreht.

Bei Tottenham war das noch anders. Da hieß es: „Gareth hier, Gareth da, Gareth und dann lange nichts.“ Am vergangenen Wochenende erlebte Gareth Bale zur Abwechselung mal einen besonderen Moment in der Primera Division. Im Spiel gegen Abstiegskandidat Elche erzielte er ein Traumtor aus gut 30 Metern Entfernung. Es war sein zehntes Saisontor und sein zwölftes insgesamt für Real. Gewiss keine schlechte Quote, aber wirklich angekommen ist Gareth Bale noch nicht bei Real.

Bales Konkurrent aus dem Real-Nachwuchs: Jesé Rodriguez

Das liegt zum einen an seiner Verletzungsanfälligkeit. Bisher konnte der Waliser nur rund die Hälfte aller Pflichtspiele bestreiten. Erst machte der Rücken Probleme, dann zwickte die Wade, dann die Muskulatur. Irgendwas war immer.

Bales Abwesenheit nutzte ein junger Spanier, um sich in den Vordergrund zu spielen. Jesé Rodriguez, 21 Jahre alt und aus dem eigenen Nachwuchs, eroberte nicht nur einen Platz in der Mannschaft, sondern auch die Herzen im Estadio Santiago Bernabeu. Viele Fans sehen in ihm eine Art neuen Raúl und in Bale ein teures Missverständnis. Reals Trainer Carlo Ancelotti sah sich jüngst genötigt, den ganzen Hype um den Nachwuchsmann einzudämmen. Er sagte: „Jesé macht seine Sache sehr gut, aber wenn Bale fit ist, spielt Bale.“ Also auch heute Abend beim FC Schalke 04.

Bale war kein Wunschspieler von Trainer Ancelotti

Ancelotti hat nicht wirklich eine Wahl. Bale wurde von Florentino Perez im Sommer als neuestes Marketingobjekt präsentiert. Mit der Verpflichtung sicherte sich Real Madrids mächtiger Präsident wochenlang die Schlagzeilen und löste sogar eine gesellschaftliche Debatte in Spanien aus. Lange geisterte eine Ablösesumme von 100 Millionen Euro durch die Medien und die von der Wirtschaftskrise geplagten Spanier beklagten, wie man soviel Geld für einen einzigen Spieler ausgeben kann. Bis heute ist nicht ganz klar, wie viel Bale tatsächlich kostete.

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Wäre es nach Ancelotti gegangen, hätte sich Real das viele Geld sparen können. Bale war nicht sein Wunschspieler. Bei Tottenham stürmte der Linksfuß die linke Seite rauf und runter, immer mit dem Höllentempo, das der englischen Premier League eigen ist. In Spanien aber kommt Taktik vor Tempo.

Das mussten vor Bale schon einige Briten feststellen. Mark Hughes etwa, oder Steve McManaman. Real dominiert selbst das Spiel, unter Ancelotti wieder viel mehr als zuvor unter José Mourinho. Bale steht dann verloren auf der rechten Seite und kann gegen die tief stehenden Gegner seine Schnelligkeit nicht ausspielen, weil kein Platz da ist. Auf links darf er nicht ran. Da ist Cristiano Ronaldo. „Der Fußball hier ist ganz anders“, sagte Gareth Bale neulich. Und meinte wohl: „Mein Gott, ich hätte Tottenham nie verlassen sollen.“

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