Sport : Real Madrid ist Verlierer der EM

Martin Hägele

Lissabon – Vier Wochen vor der Europameisterschaft in Portugal hat Zinedine Zidane französischen Reportern gestanden, dass er gerade die schlimmsten Wochen seines Lebens hinter sich habe, und alles nur besser werden könne. Nicht nur der französische Weltklassespieler trug damals die Schuld an der miserablen Saison der Staransammlung Real Madrid, die Zeitungen beschimpften auch Raul und David Beckham. Wobei die Kritiker mit dem Spanier pfleglicher umgingen als mit dem englischen Fußball-Popstar. Lediglich Figo war in die Krise am Fußball-Palast nicht involviert.

Bei der EM geht es Madrids Stars nicht besser. Drei der Spieler sind längst wieder zu Hause, nur Figo ist als einziger Profi von Real Madrid im Halbfinale dabei. Einem Vertrauten erzählte der Portugiese, wie dankbar er über seine körperliche und mentale Verfassung sei und dass es ihm so viel besser gehe als den anderen von Real. Der Klub bestritt in der vergangenen Saison eine Vielzahl von Spielen. Zidane hat sich zwar auf der fünfwöchigen Welttournee im vergangenen Sommer beschwert, dass es keine richtige Saisonvorbereitung sei, wenn die Sportplätze auf mehrere Kontinente verteilt seien. Beim Training in Tokio etwa sahen 60 000 Zuschauer zu. David Beckham schiebt erst jetzt seine mangelnde Fitness auf die lockere Art, wie bei Real geübt werde; die Leistungsdiagnostiker des englischen Verbands hatten das sofort bei Beckhams Ankunft an der Algarve festgestellt. Trotzdem durfte die Pop-Ikone vier Partien durchspielen – auch ein Grund für Englands Ausscheiden im Viertelfinale.

Nun drohen den Spielern auch bei der Heimkehr nach Madrid unangenehme Reaktionen. Die Sportzeitung „As“ empfahl dem einstigen Publikumsliebling Raul den Rücktritt. „Damit täte er sich und dem spanischen Fußball einen Gefallen.“ Auch Zidane musste sich in Frankreich Fragen über seinen Rücktritt gefallen lassen. Bis zum Ausscheiden hatten die Zeitungen in Frankreich ihr Idol noch umschmeichelt. Freilich lag die Misere der Equipe Tricolore nicht nur an einem alternden Star, sondern an der geistigen Kraftlosigkeit des gesamten Teams.

Mit weniger Reisen und einem dosierteren Training könnte Real seinen Spielern Zidane, Raul und Beckham in der kommenden Saison helfen. Auch Figo würde sich darüber freuen. Er steht zwar noch im Wettbewerb, allerdings nicht mehr als Chef seines Teams, sondern als einer unter vielen. Gegen England musste er sich sogar eine Auswechslung gefallen lassen. Auch die ehemalige Leitfigur des portugiesischen Fußballs muss einen Preis dafür bezahlen, dass er zum System Real gehört.

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