Real Madrid : Mobbing und Millionen

Real Madrids neues Team startet heute in die Saison. Die überflüssigen Spieler werden vom Hof gejagt.

Julia Macher
Real_Madrid
"Königliches" Star-Ensemble -Foto: dpa

Barcelona - In Sachen Aufmerksamkeit erzeugen macht Real Madrids Präsident Florentino Pérez niemand so schnell etwas vor. Da gewinnt ein Klub zum ersten Mal in seiner Geschichte Meisterschaft, Pokal und Champions League zugleich, da inspiriert das Team eines jungen, ehrgeizigen Trainers weltweit zu elegischen Hymnen. Doch das Eröffnungsspiel der neuen Saison fällt nicht Pep Guardiolas erfolgreichem FC Barcelona, sondern seinem Rivalen zu. Das Auftaktspiel der spanischen Liga wird am Samstagabend im Santiago-Bernabeu-Stadion angepfiffen, Real Madrid empfängt La Coruña.

Mit seiner exorbitanten Shopping-Tour ist es Bauunternehmer Pérez gelungen, die verkorkste Saison vergessen zu machen und seine „Galaktischen 2.0“ um Kaká, Cristiano Ronaldo und Benzema als ernst zu nehmenden Konkurrenten für Titelverteidiger FC Barcelona zu positionieren. Doch wie, bitte schön, muss man spielen, um Einkäufe in Höhe von 252 Millionen Euro zu rechtfertigen?

Bei Real Madrid ist die Antwort simpel: So, dass es erfolgreich ist. Als glaube man ohnehin nicht daran, die virtuosen katalanischen Kurzpässler in Sachen Ästhetik übertrumpfen zu können, geht es dem Hauptstadtverein nicht um Stil, sondern um Kalkül. Ein Titel muss schon drin sein, damit die Marketingmaschinerie aus Trikotverkäufen, Merchandisingverträgen und Fernsehrechten überhaupt funktioniert. Und ansonsten versucht man, Geld auch wieder reinzubekommen.

Eindrucksvoll zu beobachten war das beim Geschacher um überflüssig gewordene Spieler, mit denen Pérez sein Starensemble teilweise refinanzieren will. Knapp 91 Millionen Euro brachten die Verkäufe von Huntelaar, Sneijder, Robben und Co. bisher ein; auf mehr als 100 Millionen will man nach den kurz vor Unterzeichnung stehenden Transfers von Miguel Torres und Rafael van der Vaart kommen. Wirtschaftlich machte die radikale Entschlackungskur Sinn, die Methoden allerdings waren nicht die feinsten.

Man könnte auch Mobbing im Mehrstufensystem dazu sagen. Trainer Manuel Pellegrini hätte etwa Wesley Sneijder gerne behalten, beugte sich aber dem Druck der Geschäftsführung. Also teilte der Klub dem Holländer mit, dass er allenfalls noch auf der Bank einen Platz finden würde. Als Sneijder nicht einlenkte, räumte man kurzerhand seinen Spind und nahm ihm die Rückennummer weg. Am Mittwoch unterschrieb Sneijder dann bei Inter Mailand. Vielleicht hätte ihn als Nächstes das Wachpersonal nicht mehr auf das Trainingsgeländes gelassen. „Der Klub hat mich sehr schlecht behandelt“, klagte Sneijder.

Und auch der zum FC Bayern gewechselte Arjen Robben schickte seinem Ex-Arbeitgeber wütende Abschiedsworte hinterher. „Damit das klar ist: Ich wollte bleiben“, sagte er am Donnerstagnachmittag, bevor er ins Flugzeug nach München stieg. „Aber wenn die Entscheidungen am Schreibtisch getroffen werden, haben wir Spieler nichts mehr zu melden.“ Von einem so großen Klub wie Real Madrid hätte er „mehr Eleganz“ erwartet.

Eleganz? Das ist nichts für jemanden wie Real Madrids Präsidenten, der sich lieber bei Transfergeschäften austobt. Bis zum nächsten Jahr aber will es Florentino Pérez geschafft haben, auch ohne Hundert-Millionen-Deals Aufmerksamkeit zu erzeugen. Vielleicht durch einen Titel. Julia Macher

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