Real Madrid : Mourinho darf nicht Nationaltrainer werden

Der Trainer José Mourinho ist verärgert, weil Real Madrid ihm nicht erlaubt, Portugals Nationalelf zu coachen. Seine Mannschaft tat wenig, um die Laune aufzuhellen.

Julia Macher

Real Madrids Trainer José Mourinho liebt gut sitzende Anzüge ebenso sehr wie das Spiel mit den Medien. Und so genoss der Portugiese vier Tage lang das Spektakel, das die Madrider Sportpresse um die Offerte seines Nationalverbandes inszenierte. Die portugiesische Fußballföderation FPF hatte Mourinho angeboten, die EM-Qualifikationsspiele im Oktober gegen Dänemark und Island zu leiten, als Ersatz für den entlassenen Carlos Queiroz.

Umso enttäuschender fiel dann gestern die Reaktion seines Arbeitgebers Real Madrid für Mourinho aus. Clubchef Florentino Pérez teilte dem portugiesischen Verbandspräsidenten Gilberto Madail nach Medienberichten vom Sonntag mit, dass für die Madrilenen eine Rettungsmission des Trainers in Portugal nicht infrage komme. Jorge Valdano, der Generaldirektor des spanischen Rekordmeisters, bestätigte: "Die Sache hat sich erledigt.“ Mourinho reagierte frustriert. "Ich verstehe nicht, weshalb Real mich nicht nach Portugal gehen lässt", sagte er verbittert. Während der EM-Qualifikationsspiele seien fast alle Real-Profis für ihre Nationalteams im Einsatz. "So mache ich nun zehn Tage Urlaub in Madrid."

Mourinho wird sich mindestens bis zum Ablauf seines Vertrages bei Real in vier Jahren gedulden müssen, ehe er Nationalcoach werden kann. Der Posten des Auswahltrainers ist schon lange der Traum des 47 Jahre alten Exzentrikers. Mehrfach hatte er in der Vergangenheit betont, irgendwann einmal die Auswahl seines Landes betreuen zu wollen. Mourinhos Verbundenheit mit seiner Heimat geht sogar so weit, dass er – zumindest für die Zeit als Interimstrainer – anbot, die Nationalmannschaft kostenlos zu betreuen. "Ich würde Portugal sogar umsonst trainieren. Nicht einmal das Benzin müssten sie zahlen", hatte ein mit Pokerface posierender Mourinho gesagt, bevor Pérez sein Veto einlegte.

Auch sportlich lief an diesem Wochenende nicht alles so, wie Mourinho sich das wünscht. Das Beste am Ligaspiel bei Real Sociedad San Sebastian für Mourinho war, dass seine Mannschaft mit drei Punkten zurück nach Madrid fuhr. Das Team mit den deutschen Nationalspielern Sami Khedira und Mesut Özil spielte schwach und kam eher glücklich zu einem 2:1-Sieg. Cristiano Ronaldo sorgte mit einem abgefälschten Freistoß 15 Minuten vor Schluss für den entscheidenden Treffer.

Özil und Khedira spielten von Beginn an, doch vor allem Özil zeigte im Gegensatz zu den vergangenen Spielen eine schwache Leistung und wurde nach 76 Minuten ausgewechselt. "Das war nicht der glänzende Özil, den wir in den vorigen Spielen erlebt haben, sondern eine graue Version", schrieb die Sportzeitung "Marca", und das Konkurrenzblatt "As" meinte: "Özil benötigt eine hohe Einbeziehung in das Spiel. Wenn er nicht ständig den Ball bekommt, verliert er den Mut und verabschiedet sich." Dagegen zeigte Khedira eine solide Partie und spielte 90 Minuten durch.

Im Vorfeld des Spiels hatten die beiden deutschen Spieler viel Lob von ihrem Trainer bekommen. "Özil hat kreatives Talent und einen imponierenden Charakter", sagte Mourinho. An Khedira schätzt Mourinho dessen wenige Ballverluste und seine enorme Laufbereitschaft. Wenigstens etwas, das dem empfindlichen Trainer von Real Madrid in diesen Tagen Freude bereitet. Muss nur noch Portugals Nationalteam gewinnen.

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