Sport : Real Madrid steht in Kiew unter Erfolgsdruck - und das bei minus 18 Grad

Ausgerechnet in der Kältekammer von Dynamo Kiew will Real Madrid seine Krise beenden und zu alten Erfolen zurückkehren. Bei Temperaturen von bis zu 18 Grad minus erwartet die "Königlichen" beim Ukrainischen Fußball-Meister im ersten Spiel der Zwischenrunde in der Champions League jedoch ein heißer Tanz. Denn nach dem blamablen Play-off-Aus in der EM-Qualifikation gegen Slowenien sinnen die Ukrainer auf Wiedergutmachung. "Das war ein Schock für uns. Meine Spieler brauchten unbedingt eine Pause, um wieder Selbstvertrauen zu tanken", sagte Kiews Trainer-Fuchs Waleri Lobanowski vor der Partie am Mittwoch.

Grimmige Kälte ist ohnehin nichts für die sonnenverwöhnten Spanier. Noch nie hat Real in Ländern der ehemaligen Sowjetunion gewinnen können. In acht Spielen gab es gerade zwei Unentschieden. "Der eiserne Vorhand existiert weiter für Real", lästerte die Zeitung "El Mundo Deportivo". Zudem hegen die Madrilenen schlechte Erinnerungen an die Dynamos. Im letzten Wettbewerb war Kiew im Viertelfinale Endstation.

"Das ist eine Reise in die Hölle", schrieb das Sportblatt "As" zum Real-Gastspiel in Kiew. Genau so fing der Trip auch an: Die Spanier saßen am Dienstag in Madrid fest. Der Abflug musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden, da der Airport in Kiew wegen Schneetreibens und schlechter Sicht geschlossen werden musste. Auch sonst kommt Real nach der Entlassung von John Toshack nicht zur Ruhe. Clubchef Lorenzo Sanz wird vorgeworfen, sich das Schweigen von früheren Mitarbeitern zu erkaufen. "El Mundo" berichtet, der Verein zahle Manuel Fernandez Trigo auf Lebenszeit 600 000 Mark im Jahr. Dafür habe der Ex-Manager sich verpflichtet, nichts zu sagen, was Real schaden könne. Auch Ex- Coach Toshack soll 1,5 Millionen Mark "Schweige-Geld" erhalten. Noch aber weigert sich Toshack, die Auflösung des Vertrages zu unterzeichnen. Präsident Lorenzo Sanz, der in vier Jahren sieben Trainer gefeuert hat und dafür 24 Millionen Mark an Abfindung zahlen musste, belegte sich selbst mit einem Redeverbot. Und Interimscoach Vicente del Bosque kam am Sonntag gegen Real Sociedad San Sebastian über ein 1:1 nicht hinaus.

Aussicht auf sportliche Besserung besteht kaum. Nach zwölf Spielen liegt das Star-Ensemble nur auf dem achten Platz in der Primera Division, punktgleich mit Aufsteiger Numancia. Mit 20 Gegentoren hat Real die schwächste Abwehr der Liga. In den letzten 18 Spielen hat Real jeweils mindesten ein Gegentor kassiert. Und im Angriff droht Millionen-Mann Nicolas Anelka der teuerste Flop der Vereinsgeschichte zu werden. Der Franzose hat noch keinen Treffer für Real erzielt.

Fußball gespielt werden soll bei Real auch noch. Jedoch vorerst ohne Bodo Illgner. Der frühere deutsche Nationaltorhüter fällt wegen einer schweren Knieverletzung bis zum Jahresende aus. Für ihn steht der Argentinier Bizzarri im Tor. Neben Illgner muss del Bosque auch auf Routinier Fernando Hierro verzichten.

Der Respekt vor Dynamo Kiew, das heute bis auf den gesperrten Kaladze mit der besten Elf antreten kann, ist groß. "Es wird sehr schwer für uns, auf Schnee und Eis zu spielen. Aber noch mehr fürchte ich die Mannschaft von Dynamo", bekennt Mittelfeldspieler Christian Karembeu. Immerhin sei mit del Bosque ein neuer Geist eingezogen. Das macht dem französischen Weltmeister bei Real Madrid Hoffnung für eine bessere sportliche Zukunft.

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