Real Madrid : Taktlos gefeuert

Nach dem ersten Titel seit vier Jahren hat sich Real Madrid von Trainer Fabio Capello getrennt. Der Weg für Bernd Schuster scheint frei.

Julia Macher[Barcelona]
Schuster
Meistertrainer geht: Macht Fabio Capello Bernd Schuster Platz? -Foto: AFP

Als Real Madrids Sportdirektor Predrag Mijatovic vor die Presse trat, verkündete er bloß, was schon längst in den örtlichen Zeitungen stand: Trainer Fabio Capello, der den Verein nach einer turbulenten Saison zum ersten Titel seit vier Jahren geführt hatte, ist seinen Job los. Einstimmig beschloss der Vorstand die vorzeitige Entlassung des italienischen Coaches. Ob Bernd Schuster, offiziell noch bis Juni 2008 im Dienst des Vorstadtvereins FC Getafe, sein Nachfolger wird, verriet der Sportdirektor nicht: „Bernardo ist einer von mehreren Kandidaten. Er erfüllt viele unserer Kriterien, aber aus Respekt vor seinem gültigen Vertrag sagen wir dazu nichts.“ Die Zukunft des Deutschen, der seit Monaten als künftiger Coach gehandelt wird, hängt also weiterhin in der Luft. Und Real Madrid, der größte spanische Klub, bleibt weiterhin trainerlos.

Gerade einmal anderthalb Stunden hatte die Vorstandssitzung gedauert. Und statt der erhofften Zukunftsentscheidungen gab es allenfalls vage Andeutungen. Und einen sehr knappen Dank für einen, der eigentlich viel geleistet hat. „Ich danke Fabio Capello für alles, was er getan hat“, sagte Predrag Mijatovic, „aber für das, was wir uns in der nächsten Saison vorgenommen haben, ist er nicht der richtige Mann.“ Der Sportdirektor konnte einem fast leidtun, wie er mit belegter Stimme das Urteil über seinen Freund sprach und dann 30 Minuten lang dürftige Ergebnisse in dürre Phrasen packte. Was das Zukunftsprojekt von Real Madrid denn sei? Mehr zu tun, als nur zu gewinnen, lautete die knappe Entgegnung. Capello hatte mit seinem Defensivspiel das verwöhnte Publikum im Santiago-Bernabeu-Stadion gelangweilt.

Auch die anderen Fragen verhallten weitgehend unbeantwortet. Wessen Stil in Madrid künftig gespielt werde? Man habe ausreichend Trainerkandidaten und Zeit genug. Welche denn außer Schuster? Den Dänen Michael Laudrup vielleicht? Zu gegebener Zeit werde man sich an die jeweiligen Klubs wenden.

Dass der aussichtsreichste und wohl einzige ernst zu nehmende Kandidat nicht so leicht zu haben ist, bewies Getafe-Präsident Angel Torres vor anderthalb Wochen. Damals hatte Torres Real Madrid wegen des angeblichen Vorvertrags mit einer Anzeige gedroht. Gestern dementierte er noch einmal nachdrücklich alle Meldungen über eine angebliche Freigabe Schusters. Auch auf die 480 000 Euro, die Schuster im Falle einer vorzeitigen Vertragsauflösung zahlen müsste, will er nicht verzichten.

Wenn es ein Ergebnis der Vorstandssitzung gab, dann ist es dieses: Real Madrid beweist im Umgang mit seinen Trainern wieder einmal keinen Stil. Elf Trainer verschliss der Klub in den vergangenen zehn Jahren. Drei davon, neben Capello auch Vicente del Bosque und Jupp Heynckes, wurden unrühmlich nach einer gewonnenen Meisterschaft gefeuert.

Was im ersten Jahr der Ära Ramon Calderon bei Real geschah, erinnert eher an eine Seifenoper als an gelungenes Management: Vom Ausschluss der Presse beim Training über den großen Winterschlussverkauf, der Ronaldo nach Italien vertrieb, bis zum unglücklichen Umgang mit der Affäre Beckham; von den Gerüchten um einen angeblichen Vorvertrag mit Schuster im April bis zu den in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Machtkämpfen mit Predrag Mijatovic. Durchgesetzt in diesem Wirrwarr hat sich letztlich Ramon Calderon. Er hat den Sportdirektor, der bis zuletzt Capello verteidigte, vor die Wahl gestellt: sein Posten werde angegriffen oder der des Italieners. Mijatovic knickte ein.

Den unangenehmen Anruf überließ die Klubführung angeblich einem Mitarbeiter. Fabio Capello wird die letzte Taktlosigkeit nicht mehr überrascht haben. Er hat bereits vor seiner Tibetreise einen Umzugswagen reserviert.

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