Sport : Real Madrid: Weiße Nelken für Figo

Diesmal hagelte es auf Luis Figo in Barcelona keine Feuerzeuge und Mobiltelefone aus dem Publikum. Beim zweiten Gastspiel, das der frühere Star des FC Barcelona, von den Einheimischen liebevoll Barca genannt, im Trikot von Real Madrid in der katalanischen Metropole gab, warfen die Zuschauer stattdessen weiße Nelken von den Rängen. Für Real wurde die Reise nach Barcelona nicht nur wegen der Blumen zu einem Erfolg. Die Mannschaft von Real Madrid, in Spanien wegen der weißen Trikots auch das weiße Ballett bezeichnet, besiegten Espanyol Barcelona am Sonnabendabend mit 2:1 und eroberten die Tabellenführung in Spaniens erster Fußball-Liga, der Primera Division.

Die Nelken - zum Stückpreis von immerhin 2,40 Mark - sollten eine Art von Wiedergutmachung sein für jenen traurigen Empfang, den man Figo vor zwei Monaten in Barcelona bereitet hatte. Damals war der Portugiese beim Gastspiel von Real beim FC Barcelona im "Camp Nou"-Stadion als "Verräter" und "Geldsack" beschimpft worden. Barca-Fans schleuderten Gegenstände aller Art, darunter sogar das eine oder andere Handy, in Richtung ihres einstigen Idols. Aus Angst vor Wurfgeschossen konnte Figo damals nicht mal einen Eckball schießen.

Der zweite Barcelona-Besuch des Portugiesen im Real-Trikot hatte nun nichts mehr mit dem Skandalspiel vom Oktober zu tun. Bei Espanyol wurde Figo mit Spruchbändern begrüßt wie: "Das zivilisierte Barcelona grüßt Dich", oder: "Man liebt Dich doch in Katalonien". Figo konnte im Olympiastadion unbeschwert Eckbälle treten, ohne sich vor herabfliegenden Handys oder anderen Gegenständen fürchten zu müssen. Mit dem "Königlichen Sportclub Espanyol" versteht Real sich seit jeher besser als mit dem Erzrivalen Barca. Beide Clubs tragen die Königskrone in ihren Wappen.

Die in Barcelona lebenden Real-Fans hatten alle Kräfte mobilisiert, um Figo nun einen freundlichen Empfang zu bereiten. Sie erstanden für über 14 000 Mark 6000 weiße Nelken, die sie auf den Portugiesen hinabregnen lassen wollten. Es sollte sein wie bei einer Hochzeit. Aber die aufwendige Aktion verpuffte ein wenig. Wegen der großen Entfernung der Ränge zum Spielfeld fielen die Blumen meistens auf die Vortribüne und die Leichtathletik-Laufbahn.

Figo, der im Sommer für eine Rekordablöse von 135 Millionen Mark von Barca zu Real gewechselt war, revanchierte sich auf seine Weise. Der teuerste Fußballer der Welt schoss in der 12. Minute per Freistoß ein Super-Tor zum 2:0, nachdem Fernando Morientes in der 5. Minute Real in Führung gebracht hatte. Nun dürfte Figos Ehrung als Zweiter bei der Wahl "Weltfußballer des Jahres" (Zinedine Zidane) am Dienstag nichts mehr entgegen stehen.

Espanyol, der spanische Pokalsieger, schenkte Real aber nichts. Mauricio Pochettino erzielte den Anschlusstreffer. Am Ende musste der Champions-League-Gewinner zittern, um seinen Sieg über die Zeit zu retten. Real kommt nun in der Liga auf fünf Siege in Folge. Dies war dem Club zuletzt 1997 mit Trainer Fabio Capello gelungen - in jener Saison, in der Real das letzte Mal den Titel gewann.

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