Real Madrid : Wenn Scheitern zur Tradition wird

Zum 15. Mal in Folge fliegt Real aus dem spanischen Königspokal. Auch eine Prämie kann den Spielern nicht die Höchstform entlocken.

Julia Macher[Barcelona]

Nach dem Schlusspfiff fasste sich Bernd Schuster kurz an die Stirn, dann gab er sich einen Ruck und entschwand in den Katakomben des Santiago-Bernabeu-Stadions. Mehr als ein Kopfschütteln konnte der Trainer der Ungerechtigkeit des Fußballs nicht entgegensetzen. Um sich für das Viertelfinale des spanischen Königspokals zu qualifizieren, hätte Real Madrid nach der 1:2-Hinspielniederlage gegen den RCD Mallorca wenigstens einen 1:0-Sieg gebraucht. Statt dessen verlor Madrid am Dienstagabend 0:1 – es war die erste Heimniederlage für Real seit fünf Monaten, eine höchst unverdiente dazu.

Von Anfang an dominierte Real das Spiel. Doch in der 83. Spielminute nutzte die Mannschaft aus Palma, die über weite Strecken kaum aus der eigenen Spielfeldhälfte herauskam, eine Konzentrationsschwäche der Madrilenen. Nach einem Steilpass von Fernando Varela, den Abwehrspieler Fabio Cannavaro falsch einschätzte, schickte Ariel Ibagaza den Ball im hohen Bogen ins Madrider Tor.

Auf die Frage, ob der Gegner vielleicht so gewonnen habe, wie es Real Madrid sonst tue, antwortete ein wenig zum Scherzen aufgelegter Bernd Schuster: „Mallorca kann niemals so gewinnen, wie es Madrid sonst tut – aus dem einfachen Grund, weil wir dieses Spiel verschenkt haben.“ Trotzdem sehe er das Ergebnis gelassen. „Aus dem Pokal auszuscheiden, hat auch seine guten Seiten“, sagte Schuster. Vereinspräsident Ramón Calderón wird da wohl die Stirn gerunzelt haben. Schließlich hat Real Madrid den Königspokal seit 15 Jahren nicht mehr gewonnen; wiederholt hat Calderón die „Copa del Rey“ mit zum Saisonziel erklärt und eine Prämie von 900 000 Euro versprochen, sollte den Spielern das Triple, der Sieg in Pokal, Liga und Champions League gelingen. Doch Zielvorgaben aus dem Präsidium und Wirklichkeit sind auch bei Real Madrid zweierlei.

Deswegen überraschte es auch nicht ernsthaft, dass Schuster das Pokalspiel als eine Art Fitnesstraining für Ersatztorwart Dudek und Bankdrücker wie Royston Drenthe, Michel Salgado und Javier Saviola sah – mit allen Risiken, die das in sich barg. Vor allem Saviola agierte vor dem gegnerischen Tor unsicher und nervös. Der Zugang vom FC Barcelona gehört zu den Spielern, die Bernd Schuster am seltensten einsetzt. Dennoch habe es sich gelohnt, auf diese Mannschaft zu setzen. „Ich weiß jetzt, dass alle in Form sind und ich bei Champions League und Liga auf jeden zählen kann,“ sagte Schuster. In der Rückrunde der Liga wird der Tabellenerste am Sonntag beim Lokalderby auf Atlético Madrid treffen.

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