Sport : Real Madrid: Wie kopflose Hühner

Der Glanz des Teams von Real Madrid verblasst. Die Mannschaft mit den Superstars Luis Figo und Raul, die die Champions League und Spaniens "Primera Division" mit begeisterndem Fußball im Sturm zu nehmen schien, steckt plötzlich in der Krise. Am Sonnabend mussten das Team - nur drei Tage nach der 0:2- Heimschlappe gegen RCD Mallorca - bei Numancia Soria mit 1:3 (1:2) die zweite Niederlage in Folge bei einem vermeintlich leichten Gegner hinnehmen. "Es darf nicht sein, dass Real sich gegen einen der ärmsten Vereine der Liga in dieser Form präsentiert", schrieb das Sportblatt "Marca" am Sonntag. "Die Madrider liefen umher wie kopflose Hühner."

Der Portugiese Luis Figo erlebte einen traurigen 28. Geburtstag. Der teuerste Spieler der Welt, zu Saisonbeginn für die Rekordsumme von 136 Millionen Mark vom FC Barcelona nach Madrid gewechselt, war nur ein Schatten seiner selbst. Der Stürmerstar fiel vor allem durch Foulspiel auf. Torjäger Raul hatte vor dem Spiel drei Treffer versprochen. Die drei Tore erzielte aber nicht der Real-Stürmer, sondern auf der Gegenseite der in Spanien noch unbekannte Rumäne Laurentiu Rosu (7., 15. und 63. Minute). Der 25-Jährige hatte in seiner Heimat mit Steaua Bukarest fünf Titel geholt, bei Numancia aber zumeist auf der Ersatzbank hocken müssen. Raul (14.) gelang nur der Treffer zum kurzzeitigen Ausgleich.

Heftige Kritik musste auch Reals Abwehrchef Fernando Hierro einstecken. "Der 32-Jährige spielt so, als forderte er seine sofortige Pensionierung", meinte "Diario 16". Reals einziger Trost war, dass die anderen Spitzenteams auch verloren. Der Tabellenführer FC Valencia zog bei Espanyol Barcelona mit 0:1 (0:0) den Kürzeren, der Titelverteidiger Deportivo La Coruña unterlag bei CF Villarreal 2:3 (1:1). Nur der zuletzt kriselnde FC Barcelona gewann bei UD Las Palmas durch ein Rivaldo-Tor 1:0 (0:0).

Bei Real herrscht eine verrückte Welt. Vor wenigen Wochen schien der Rekordmeister mit seinen Schulden von 500 Millionen Mark am Rande des Ruins zu stehen, aber die Mannschaft zeigte glänzenden Fußball. Nun hat sich die Lage fast umgekehrt. Bei den Finanzen ist Besserung sichtbar, aber auf dem Spielfeld läuft es nicht mehr. Der neue Clubchef Florentino Perez legte der Mitgliederversammlung am Sonntag für die Saison 2000/2001 ein Budget von 395 Millionen Mark vor. Dies ist der höchste Vereinsetat, den es je in der spanischen Fußballgeschichte gab. Zum Vergleich: Numancia muss mit 21 Millionen Mark auskommen.

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