Real Madrids neuer Trainer : Zidane soll sich den Feind zum Vorbild nehmen

Mit Zinédine Zidanes Anstellung orientiert sich Real Madrid am FC Barcelona. Zidane lehnt den Vergleich dagegen ab.

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Blick zurück nach vorn. Zidane (rechts) und sein Landsmann Karim Benzema.
Blick zurück nach vorn. Zidane (rechts) und sein Landsmann Karim Benzema.Foto: AFP

Das Trainingszentrum von Real Madrid befindet sich außerhalb der Stadt, in Valdebebas, einem Vorort, direkt an der Autobahn. Öffentliche Verkehrsmittel halten dort nicht, Parkplätze sind rar – es gibt Orte im Umkreis der spanischen Hauptstadt, die leichter zu erreichen sind. Dennoch machten sich am frühen Dienstagmorgen rund 5000 Menschen auf nach Valdebebas, um einer Premiere beizuwohnen. Zinédine Zidane leitete zum ersten Mal das Training von Real Madrid, nachdem er am Vorabend vom Trainer der Reserve zum Trainer der Profis befördert worden war. Zidanes Vorgänger Rafael Benitez war kurz zuvor entlassen worden – nach nur einem halben Jahr Amtszeit. Die Zuschauer begrüßten den neuen Trainer mit lautem Applaus, Zidane winkte freundlich ins Publikum, dann versammelte er die Mannschaft um sich.

Da stand er, der neue Hoffnungsträger, die Madrider Wintersonne schien ihm auf den kahl rasierten Kopf, während er seine Spieler ausschließlich Übungen mit dem Ball absolvieren ließ. Allein seine Anwesenheit ließ die Madrider aficionados träumen. Erfolgreicher, offensiver, ansehnlicher als zuletzt unter Benitez soll Reals Fußball nun mit Zidane werden. Dass er noch nie eine Profimannschaft trainiert hat - geschenkt. Der Franzose ist eine Klubikone, der beste Fußballer seiner Epoche, irgendwie wird’s schon werden. „Ich stehe vor einer komplizierten Herausforderung, die mich aber sehr motiviert“, sagte er am Dienstag nach dem Training.

In der Historie fiel Real Madrid nicht auf als Klub, der jungen, talentierten Trainern Zeit gibt, sich zu entwickeln. Sie wurden erst gar nicht eingestellt. Wer Real trainieren durfte, der musste anderswo schon sein Können bewiesen haben. Leo Beenhakker etwa, John Toshack, Jupp Heynckes, Fabio Capello, Vicente del Bosque oder in der jüngeren Vergangenheit José Mourinho und Carlo Ancelotti. Dass Präsident Perez nun auf einen Novizen setzt, hat unterschiedliche Gründe. Einerseits gibt der Markt zu diesem Zeitpunkt der Saison nicht viele Alternativen her, alle Trainer von Rang und Namen befinden sich in festen Anstellungen.

Zum anderen versucht Perez durch die Inthronisierung einer Klublegende, verloren gegangene Sympathien beim Publikum zurückzugewinnen. Zidane ist der elfte Trainer in den vergangenen zwölf Jahren, kein großer europäischer Klub verschliss in diesem Zeitraum mehr Personal an der Seitenlinie. Insgeheim hofft Perez mit Zidane auf eine ähnliche Entwicklung, wie sie der große Rivale FC Barcelona einst unter Pep Guardiola genommen hatte. Der war 2008 auch ohne jegliche Profierfahrung von der zweiten zur ersten Mannschaft befördert worden und avancierte dann zum erfolgreichsten Trainer der Klubgeschichte. Von möglichen Parallelen wollte Zidane während seiner ersten Pressekonferenz nichts wissen. „Man sollte uns nicht vergleichen. Guardiola ist ein hervorragender Trainer, ich werde mein Möglichstes tun“, sagte er.

Gemessen daran, dass ein neuer Trainer meist das Gegenteil seines Vorgängers verkörpert, ist Zidanes Anstellung ein nachvollziehbarer Schritt. Mit seiner Vergangenheit als Spitzenathlet dürfte ihm der Respekt seiner Spieler sicher sein. Benitez, der keine erfolgreiche Karriere als Fußballer vorweisen konnte, galt als Technokrat, der die Befindlichkeiten seiner Spieler nicht ausreichend berücksichtigt haben soll. Mit den wichtigsten Spielern redete er am Ende angeblich nur noch das Nötigste, besonders sein Verhältnis zu Cristiano Ronaldo galt von Anfang an als unterkühlt. Für seinen defensiven Spielstil erntete der Trainer den Zorn der Zuschauer. Spott kam hinzu, als ihm ein Wechselfehler unterlief, der Real das Pokal-Aus gegen einen Drittligisten einbrachte. Hinter vorgehaltener Hand nannte die Mannschaft Benitez „el diez“, eine ironische Anspielung auf seine Spielerkarriere. El diez, die Zehn, wurde Diego Maradona einst gerufen. Nun wurde Benitez gegen einen ausgetauscht, der einmal ein echter Zehner war.

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