Sport : Reale Sorgen

Madrid fürchtet sich ein bisschen vor den Bayern

Michael Ludwig

Madrid. Es muss Erstaunliches passieren, dass sich ein Weltverein vor einem Fußballspiel gegen einen Außenseiter Mut machen muss. Ja, Real Madrid scheint ein wenig Angst zu haben vor dem Rückspiel in der Champions League gegen den FC Bayern. Nach der grandiosen Vorstellung der deutschen Außenseiter vor zwei Wochen im Münchner Olympiastadion macht sich in der spanischen Hauptstadt die Sorge breit, die Superstars von Real könnten aus dem Rennen der Champions League katapultiert werden. Die Presse warnt vor dem kraftvollen Spiel der Deutschen. Nach Ansicht der Tageszeitung „El Pais“ ist für Real-Trainer Carlos Queiroz und seine Mannschaft „die Stunde der Wahrheit gekommen“. Madrid müsse sein Modell der Stars auf den Prüfstand stellen. Und „El Mundo“ zeichnet das Bild eines Patienten, der sich „auf der Couch des Psychoanalytikers wiederfindet, um sein Selbstbewusstsein zu stärken“. Der Seelenarzt, so ist in der Zeitung zu lesen, wühlt in Reals grandioser Vergangenheit und versucht, den Verein davon zu überzeugen, dass er auch ohne den verletzten Ronaldo überleben kann und ein Sieg gegen Bayern möglich ist.

In der Tat setzen die Verletzung von Ronaldo und die Sperre von Roberto Carlos die Mannschaft unter einen bisher nie für möglich gehaltenen Druck. Immerhin hat Ronaldo, der in Madrid bewundernd „das Phänomen“ genannt wird, in der vorigen Saison fast die Hälfte aller Tore für Real geschossen. Die Frage ist nun: Welche Strategie hat Trainer Carlos Queiroz entwickelt, um diesen Ausfall auszugleichen? Raul, der Ronaldos Rolle übernehmen soll, gilt als weniger schnell und muss sich deshalb möglichst weit vorne positionieren, um in Ballbesitz zu kommen. Das aber birgt nach Ansicht von Experten die Gefahr, dass ihn die Münchner ins Abseits laufen lassen.

Um dennoch zu Toren zu kommen, fällt Zidane eine wichtige Rolle zu. Er wird am Mittwoch wohl viel weiter vorne spielen als gewohnt, um Raul mit Pässen zu bedienen. „Das ist allerdings eine Position, die Zidane nicht gefällt“, schreibt „El Mundo“. Zidane ist allerdings – wie Mittelfeldstar David Beckham – an einer Grippe erkrankt. Auch Raul geht angeschlagen ins Spiel; er hat sich erst in diesen Tagen von einer Knöchelverstauchung erholt.

Trainer Carlos Queiroz immerhin ficht das nicht an. Er forderte seine Mannschaft zu einem kampfbetonten Spiel auf: „Wenn wir es schaffen, das Spielgeschehen zu dominieren und den Ball in den eigenen Reihen zu halten, werden wir die Bayern in eine schwierige Lage bringen. Dann wird es für sie sehr ungemütlich.“ Aber nur dann.

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