Sport : Realismus siegt über Illusion

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Ach, man leidet doch mit: Geht es auch bei der EM so weiter wie in der Champions League? Ist kein Platz mehr auf dieser Welt für die Romantiker des Fußballs, die die Schönheit lieben, welche aber nicht mehr anzukommen scheint gegen die soliden Berserker am Ball? Griechenland besiegt Portugal - wenn das Eröffnungsspiel Programm sein sollte, dann werden wir Illusionen, Visionen, Hoffnungen begraben müssen. Und werden der Biederkeit Tribut zollen, (was ja, nebenbei, für unsere deutschen Fußballkünste nicht von Schaden zu sein braucht).

Dass Otto Rehhagel auf Griechenlands Trainerbank sein FC-Bayern-Trauma von Glanz und Gloria und Hollywood und Stars hat verarbeiten dürfen, es sei ihm gegönnt. Aber war dafür die Zerstörung des Glaubens ans Schöne im Spiel nötig? Wahrscheinlich ja, und es ist ja nicht verboten, den Rahmen seiner Möglichkeiten optimal zu nutzen. Die Griechen haben nichts Illegales begangen, sie sind nur mit drei Mann auf Figo losgestürmt, wenn der den Ball hatte, sie haben den einfachen Ball gespielt, wenn die Portugiesen den verspielten spielen wollten. Sie haben der Seleccao die Träume geraubt und nichts anderes gemacht, als das, was der FC Porto mit seiner massiven Viererreihe mit der Champions League gemacht hat.

Zur Pause gab es den Wechsel: Rui Costa, der Mann aus der Goldenen Generation der Portugiesen, musste weichen, und es kam Deco, der Mann vom FC Porto. Nicht einmal das hat genutzt. Die Griechen waren einfach realistischer. Realismus besiegt die Illusion. Wissen Sie was? Bei aller Ehrenbezeigung für die griechische Leistung, ich trauere mit.

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