Sport : Rechnen mit den Eisbären

Nur die Inkonstanz ist konstant – warum die Berliner in der Tabelle stagnieren.

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Auf dem Sprung? Travis Mulock und Kollegen tun sich zurzeit schwer. Foto: Imago
Auf dem Sprung? Travis Mulock und Kollegen tun sich zurzeit schwer. Foto: ImagoFoto: imago sportfotodienst

Berlin - Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hat ihre eigene Arithmetik. Sieg ist nicht gleich Sieg. So haben die Eisbären am Freitag zwar gegen die Iserlohn Roosters gewonnen. Der Abstand der Berliner zu den ersten sechs Tabellenplätzen, die am Ende der Hauptrunde die direkte Qualifikation für die Play-offs bedeuten, ist aber von sechs auf sieben Punkte gewachsen. Schließlich haben die Eisbären gegen Iserlohn 2:1 nach Penaltyschießen gewonnen und das gab nur zwei und nicht drei Punkte. Dass so ein Sieg gegen den Tabellenvorletzten momentan den Berlinern nicht weiterhilft, ist wohl noch nicht bei allen Profis angekommen. So sagte etwa Angreifer Barry Tallackson: „Es sind nur zwei Punkte, aber zwei ganz wichtige Punkte, die wir brauchen, um in der Tabelle zu klettern.“

Fürs Rechnen wird der stämmige US-Amerikaner nicht bezahlt, beim Blick auf die Tabelle könnte Tallackson aber aufgefallen sein, dass sich sein Team nicht nach oben bewegt hat. Die Eisbären sind Neunter geblieben nach ihrem schludrigen Auftritt gegen Iserlohn. Stagnation ist das Problem des Meisters in dieser Saison, in der Tabelle scheint der Weg nach oben verbaut – weil die Konstanz fehlt und weil, wie gegen Iserlohn, zu oft ein Punkt verschenkt wird.

Das Verweis darauf, dass die Hauptrunde ja noch lange nicht zu Ende sei – gerne mal von Trainer Jeff Tomlinson angeführt – ist trügerisch: Denn gerade in der zweiten Halbzeit der Runde vor den Play-offs lassen erfahrungsgemäß die Teams am Tabellenende nach. Das lässt sich in der DEL zurzeit auch beobachten: Hinter den Eisbären bewegt sich im Tableau zwischen Augsburg und Düsseldorf wenig. Vor den Eisbären dagegen gewinnen die Teams zuverlässig. Nur eine Siegesserie, möglichst mit Drei-Punkt-Erfolgen könnte den Berlinern beim Klettern helfen. Alles andere als Platz sechs ist nicht ihr Anspruch, schließlich ist es unwägbar sich womöglich durch die kurzen Pre-Play-offs quälen zu müssen, um dann doch noch die Endrunde zu erreichen.

Doch woher die Punkte nehmen? So, wie die Eisbären spielen, wird es schwer. Die Konkurrenz kennt ihren Hurra-Stil inzwischen bestens und Spitzenteams wie Köln, Hamburg oder Wolfsburg spielen schneller und moderner und treffen daher das Tor auch häufiger. Angesichts der vielen Chancen hätten die Eisbären gegen Iserlohn drei Punkte gewinnen müssen. „Aber im Moment haben wir Probleme damit, Tore zu schießen“, sagt ihr Angreifer Mads Christensen. „Wenn wir wüssten woran es liegt, könnten wir es ändern.“ Die Gesamtsituation ist dem Dänen durchaus bewusst. Er sagt jedenfalls: „Wir dürfen uns keine Sorgen darüber machen, was die anderen Mannschaften tun. Das können wir nicht beeinflussen, wir können nur an uns selbst arbeiten.“

Die nächste Chance zum Arbeiten haben die Eisbären am Sonntag, allerdings ist es eine knifflige Aufgabe. Sie treten bei den Nürnberg Ice Tigers an, dem Tabellenzweiten. Die Franken haben sie zwar in Berlin schon geschlagen (6:1), aber das erste Spiel in Nürnberg verloren (1:4). Wenn man dann noch die Auswärtsschwäche der Eisbären einrechnet, dann brauchen sie schon Glück, um am 29. Spieltag in der Tabelle nach oben klettern zu können. Aber – und das dürfte den Eisbären Ansporn für den Hauptrunden-Endspurt sein – ein Erfolg in Nürnberg wäre schon der vierte Sieg in Folge. Zwei-Punkt-Siege mit eingerechnet, versteht sich.

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