Sport : Rechnerische Meisterleistung

Tennisprofi Thomas Haas hat nur noch geringe Chancen, sich für das Masters-Finale zu qualifizieren

Anke Myrrhe

Berlin - Mit hängendem Kopf verließ Thomas Haas den Platz. Genervt wollte er keine Fragen beantworten und reiste sofort aus Madrid ab. Die Gründe dafür sind einfach: Der Hamburger verlor am Dienstag sein Auftaktmatch beim Tennis-Masters-Turnier in Madrid gegen den Argentinier Juan Monaco mit 4:6, 5:7. Eine bittere Niederlage für Haas, der sehr zuversichtlich in das Turnier gestartet war. Nach dem Halbfinaleinzug in Stockholm in der vergangenen Woche, wo er im Viertelfinale noch 6:3, 6:3 gegen Monaco gewonnen hatte, war Haas guter Dinge. Die frühe Niederlage trifft ihn hart, da er nun wohl alle seine Chancen verspielt hat, sich zum ersten Mal in seiner Karriere für das Master-Finale in Schanghai zu qualifizieren.

Nach dem guten Turnier in Stockholm war der Deutsche in der Wertung für das Tennis-Finale des Jahres auf Rang acht vorgerückt und konnte den US-Amerikaner James Blake hinter sich lassen. Die erfolgreichsten acht Spieler des Jahres qualifizieren sich für den Masters Cup, der in den Neunzigerjahren als ATP-WM in Stuttgart und Hannover ausgetragen wurde. Wer die besten Acht sind, wird mit dem „Champions Race“ ermittelt, bei dem jeder Spieler zu Beginn des Jahres wieder bei Null beginnt – es existiert neben der allgemein bekannten Weltrangliste, die die Punkte der Spieler Jahr für Jahr addiert. In der Weltrangliste nur auf Position 10, hatte sich Haas im „Champions Race“ knapp vor seine Konkurrenten schieben können und setzte große Hoffnungen auf das Turnier in Madrid.

Die Chancen sich noch zu qualifizieren, sind nun nur noch minimal, auch wenn Patrik Kühnen, Teamchef des Deutschen Daviscup Teams, noch nicht alles verloren sieht: „Natürlich ist es umso schwerer geworden durch Tommys Ausscheiden in Madrid, aber die Chance ist noch da.“ Damit verweist er auf das letzte Masters Turnier vor dem Finale in Schanghai – das Turnier Anfang November in Paris-Bercy. Dort verpasste Haas 2001, in seinem bisher besten Jahr, den Einzug ins Masters-Finale ähnlich knapp, als er im Halbfinale gegen den Franzosen Sébastien Grosjean verlor.

„Viel hängt nun davon ab, wie die anderen in Madrid abschneiden“, sagt Patrik Kühnen. Denn die Konkurrenz, die nun an Haas vorbeiziehen kann, ist groß. Neben James Blake sind der Spanier Tommy Robredo, der Franzose Richard Gasquet und der Tscheche Tomas Berdych noch im Rennen. Und auch Carlos Moya (Spanien) und Ivan Ljubicic (Kroatien) hatten vor dem Turnier in Madrid nur 14 beziehungsweise 15 Punkte Rückstand auf Haas. Sie alle liegen sehr dicht beieinander, „man kann keinen von ihnen hervorheben", sagt Kühnen.

Und außer Haas sind sie alle in Madrid noch im Turnier (einige Partien waren bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Allein für die Achtelfinalteilnahme gibt es dort 15 Punkte im „Champions Race“, so bietet sich ihnen nun die Chance sehr schnell am Deutschen vorbeizuziehen. Sollte auch nur einer von ihnen in Madrid richtig weit kommen, wird es für Haas sehr eng werden. Denn im Viertelfinale gibt es bereits 25 Punkte, im Halbfinale 45, für das Erreichen des Finals 75 Punkte und der Sieger erhält gar 100 Punkte.

Am vergangenen Wochenende schaffte der Weltranglistenvierte Nikolai Dawidenko in Moskau die endgültige Qualifikation. Er reiht sich damit hinter den Schweizer Roger Federer, Rafael Nadal (Spanien) und Novak Djokovic (Serbien) in die Reihe der sicheren Masters-Teilnehmer ein. Der US-Amerikaner Andy Roddick, aufgrund einer Knieverletzung nicht in Madrid dabei, ist ebenfalls so gut wie sicher für das Masters-Finale qualifiziert. Außerdem hat mit dem Überraschungshalbfinalisten der US-Open David Ferrer ein weiterer Spanier die Qualifikation beinahe schon geschafft – er ist aber in Madrid ebenfalls an seinem Auftaktgegner gescheitert.

Nur knapp vor Thomas Haas auf dem siebten Platz liegt der Chilene Fernando Gonzalez. Er schaffte gestern in Madrid den Einzug ins Achtelfinale. Dort wäre es nun zum direkten Duell mit dem Deutschen gekommen, der mit einem Sieg in der Wertung sogar noch an Gonzales hätte vorbeiziehen können. Nun kann Haas nur noch hoffen, dass auch die anderen Kandidaten für das Masters-Finale möglichst früh aus dem Turnier im Madrid ausscheiden. Dann könnte er mit einen guten Turnier in Paris-Bercy das Finale doch noch möglich machen.

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