Sport : Rechnung ohne Bundestrainer

Florian Keller ist bei den Eisbären momentan einer der Besten, trotzdem spielt er nicht im Eishockey-Nationalteam

Claus Vetter

Berlin. Pierre Pagé war gestern ein wenig aufgeregt. Dies war nicht darin begründet, dass der Trainer der Eisbären etwa die anstehenden Prüfungen bei seinem Arbeitgeber fürchtete. „Ich habe heute einen Deutschtest, deshalb bin ich nervös“, sagte der Kanadier. Dabei macht der Schüler Pagé gute Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache. Auch den Terminus „Reizwort“ hat er nun gelernt. „Nationalmannschaft“: Das ist der Begriff, mit dem Pagé versucht, seine Spieler zu motivieren. Offenbar vergeblich. Im Aufgebot für den Deutschland-Cup fehlt der momentan auffälligste deutsche Eisbären-Spieler. Florian Keller ist nicht nominiert worden. Wieder einmal.

Peter John Lee kann die Auswahlkriterien von Bundestrainer Hans Zach nicht nachvollziehen. „Der Boris Blank war sechs Wochen verletzt, hat jetzt nur ein paar Spiele gemacht und spielt beim Deutschland-Cup“, sagt Eisbären-Manager. „Jetzt weiß ich, warum der uns verlassen hat und nach Köln gegangen ist. Natürlich sind wir enttäuscht, dass Keller nicht dabei ist. Unser Ziel ist es, jedem ein Ziel zu bieten.“ Was aber, wenn das Ziel trotz guter Leistungen nie erreicht wird? Der Betroffene ist ratlos. „Ich kann nicht mehr machen, als gut zu spielen“, sagt Florian Keller. „Alles andere liegt nicht in meiner Macht. Insgeheim habe ich natürlich auf eine Nominierung gehofft.“

Die haben nun andere bekommen. Von den Eisbären, die heute in Augsburg antreten (19.30 Uhr, live auf Premiere) sind es Torwart Oliver Jonas und Verteidiger Rob Leask. Doch viele von denen, die am 5. November in Köln gegen Kanada und vom 7. bis 9. November beim Turnier in Hannover in der Auswahl antreten, kommen aus Mannheim oder von den Kölner Haien, dem Klub von Bundestrainer Zach – so etwa der 20-jährige Stefan Schauer oder schon etablierte Kräfte wie Andreas Renz. Die beiden Kölner Verteidiger haben allerdings diese Saison noch keine Großtaten vollbracht. Schauer hat keinen, Renz einen Skorerpunkt. Keller hat schon neun Punkte erzielt und ist im Verein derzeit in der Defensive beschäftigt. „Florian ist nach Skorerpunkten unter den besten vier deutschen Verteidigern“, sagt Lee.

Was hilft alle Rechnerei, wenn der Bundestrainer nicht mitrechnen will. Der von Zach postulierte Vorwurf, Keller sei zwar ein guter Spieler, aber kein Kämpfer, zählt laut Pagé nicht mehr. „Keller hat bei uns gezeigt, wie hart er arbeiten kann“, sagt der Coach der Eisbären. „Er wäre ein überdurchschnittlicher Nationalspieler.“ Und das Ziel Nationalmannschaft solle Keller weiterhin haben, sagt Pagé. „ Alles was er nun braucht, ist Geduld und Vertrauen in seine Fähigkeiten.“ Was für eine Sprachprüfung gilt, das gilt eben oft auch im Sport.

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