Sport : Recht auf Randale

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Die Männer vielleicht ein bisschen zu stark gegelt, die Frauen ein bisschen zu adrett – ansonsten lässt sich gegen eine Hockeyparty wenig sagen. Es scheint ein Naturgesetz zu sein: Wer tagsüber gern mit gebeugtem Rücken einem Ball hinterherläuft und sich auf dem Kunstrasen freiwillig die Haut von den Knien schürft, lässt es nachts mit Verve, Ausdauer und Routine krachen. Das bewies auch die deutsche Nationalmannschaft der Männer, deren Party nach dem Olympiasieg allerdings etwas aus dem Ruder lief. Die Schäden im Kasinobereich der MS Deutschland sollen sich auf rund 50 000 Euro belaufen haben, durch den Betriebsausfall wegen der Reparaturen sollen der Reederei weitere 450 000 Euro entgehen. Dass die Mannschaft bei ihrer Feier derart gewütet hat, kann man ungebührlich und flegelhaft finden – auch stilvolles Siegen will gelernt sein. Aber wer hat sich in London das Recht auf ein kleines bisschen Randale verdient – wenn nicht die Hockeyspieler?

Immerhin rettete das Team von Bundestrainer Markus Weise mit dem zweiten Olympiasieg in Folge die Ehre der deutschen Mannschaftssportarten, da können schon mal ein paar Gläser zu Bruch gehen. Ganz so heftig hätten die Spieler es aber vielleicht doch nicht krachen lassen müssen, eine halbe Million Euro sind eine stolze Summe. Zum Vergleich: Als Fans der Rolling Stones 1965 die Waldbühne zerlegten, entstand ein Schaden von rund 300 000 Mark. Wer die nötigen Reparaturarbeiten an der MS Deutschland bezahlt, ist noch offen. Jedoch muss man sich auch fragen, ob das Traumschiff der richtige Ort ist, um 18 junge Männer, die monatelang in Askese gelebt haben, die Erfüllung ihres Lebenstraums feiern zu lassen.

Wer Medaillen will, muss auch Anreize abseits des Spielfelds schaffen. In diesem Sinne: Jungs, klappt die Kragen eurer Polohemden hoch! Mädels, poliert die Perlohrringe! Die Aussicht auf eine anständige Feier gehört zur olympischen Motivation.

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