Sport : Rechtsstreit um Olympia

Leipzigs Neuanfang wird von juristischen Ermittlungen begleitet

Robert Ide

Peter Zühlsdorff wird heute den wichtigsten Mann Leipzigs kennen lernen: Wolfgang Tiefensee. Der Wirtschaftsmanager, der die Bewerbung der Stadt für Olympia 2012 sanieren soll, und der Oberbürgermeister haben sich am Montag zur Mittagszeit verabredet – „nicht zum Essen, sondern zum Arbeiten“, wie Rathaussprecherin Kerstin Kirmes vorsorglich versichert. Es gibt viel zu tun, um Leipzigs Olympia-Träume zu retten. Bis Januar kommenden Jahres muss die Stadt den Fragebogen des Internationalen Olympischen Komitees beantworten und dabei das immer noch strittige Problem der Hotelkapazitäten klären. Zudem wird die Bewerbung neu aufgestellt, Zühlsdorff muss sich die Arbeit mit dem bisherigen Geschäftsführer der Bewerbungsgellschaft, Mike de Vries, aufteilen. Beide treffen sich am Vormittag im Leipziger Olympiabüro – „zum Arbeiten“, wie de Vries ebenfalls versichert.

Eines kann aber niemand der Beteiligten beeinflussen: die Aufarbeitung der Leipziger Finanzskandale, die die Bewerbung in Verruf gebracht haben. Das Thema beschäftigt nun Gerichte und Staatsanwälte; Entscheidungen darüber fallen in dieser Woche. Eine Übersicht über die anstehenden Fragen:

Zahlungen ohne Gegenleistung: Gegen den alten Geschäftsführer der Leipziger Bewerbungsgesellschaft, Dirk Thärichen, besteht der Verdacht der Untreue. Die Staatsanwaltschaft will am Montag mitteilen, ob sie gegen Thärichen ein Ermittlungsverfahren einleitet. Ihm werden Zahlungen an die Werbemanager Ivan Radosevic und Henner Ziegfeld zur Last gelegt, für die diese nicht ausreichende Gegenleistungen erbracht haben sollen. Das ergaben Prüfungen der alten Olympiagesellschaft, die die nationale Kandidatur Leipzigs managte und in der Thärichen alleiniger Geschäftsführer war. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe und erklärte, es liege „keinerlei finanzieller Schaden“ vor. Thärichen wurde vom olympischen Aufsichtsrat fristlos entlassen. Hierüber könnte es eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung geben.

Ungerechtfertigte Provisionen: Der Olympiabeauftragte der Stadt Leipzig, Burkhard Jung, musste zurücktreten, weil er mit seiner Unterschrift Provisionszahlungen an die Firma SCI von Radosevic aus städtischen Geldern genehmigt hatte. Jung bestreitet, eine solche Erlaubnis erteilt zu haben, und beteuerte seine Unschuld in einer eidesstattlichen Erklärung. Ob die Staatsanwaltschaft auch gegen Jung ermitteln wird, wird in NOK-Kreisen bezweifelt.

Offene Rechnungen: Radosevic und Ziegfeld haben versichert, dass allen Zahlungen „einwandfreie und nachweisbare Leistungen“ gegenübergestanden hätten. Sie pochen zudem auf teilweise noch nicht beglichene Ansprüche für die Vermarktung von Werbebanden bei von ihnen veranstalteten Tennisturnieren. Im Leipziger Rathaus heißt es allerdings, für solche Geschäfte gebe es „nur einen Vertragsentwurf ohne Unterschrift“. Die Firma SCI von Radosevic behauptet dagegen, der Vertrag sei faktisch zustande gekommen. Auch über diese Frage könnte es noch Streit vor Gericht geben.

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