Sport : Recycelte Spiele

Friedhard Teuffel vermisst bei München 2018 jugendlichen Charme

Friedhard Teuffel

Ist ein bisschen Wehmut gestattet? Der deutsche Sport hat nämlich Abschied genommen. Von der Bewerbung um Olympische Sommerspiele. In den nächsten 20, vielleicht sogar 30 Jahren wird das größte Sportereignis der Welt nicht in Deutschland stattfinden. Dabei gab es doch gleich zwei Visionen: Die Berliner von den Spielen in der vereinten Stadt. Und die vielleicht noch bessere Hamburger Vision von Spielen am Wasser und Spielen mitten in der Stadt.

Aber genug davon, denn der deutsche Sport hat am Samstag auch ein frohes Wiedersehen gefeiert: mit München, der inzwischen 35 Jahre alten Olympiastadt. Mit München kann sich Deutschland wirklich guten Gewissens um Winterolympia bewerben, der kleinen Schwester der Sommerspiele. Während überall übers Klima geredet wird und Nachhaltigkeit als einzige Rettungsformel gilt, bietet München recycelte Spiele an. Ob Münchner Olympiapark, Skipisten in Garmisch-Partenkirchen oder Königsseer Rodelbahn – das meiste muss einfach nur chlorfrei aufgehellt werden für 2018. München ist daher auch ein Gegenentwurf zu dem absurden Konzept der Spiele 2014 in Sotschi, wo noch keine olympiareife Sportstätte steht und die Natur hektarweise verbraucht wird. München 2018, das könnten Spiele der Vernunft werden.

Genug ist jedoch auch das nicht, denn Recycling hört sich immer auch nach Altstoffsammlung an und Vernunft nach fehlendem Gefühl. Die Bewerbung könnte noch etwas jugendlichen Charme vertragen und eine emotionale Idee, die dem Sport in Zeiten des Dopings ein bisschen Heiterkeit zurückbringt. Dann wäre das Konzept wirklich komplett.

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