Sport : Reden unter Wasser

Der Wechsel der Schwimmerin Sandra Völker nach Berlin ärgert ihren Sponsor – er beklagt eine schlechte Kommunikation

Frank Bachner

Berlin. Frank Linnig erhielt die Nachricht per E-Mail. „Ich werde meinen Trainer wechseln und nach Berlin gehen“, teilte ihm Sandra Völker mit. Im ersten Moment war Linnig „geschockt“. Danach war er „verärgert“. Erstens, weil er es nett gefunden hätte, wenn seine Klientin ihm das persönlich mitgeteilt hätte und zweitens, wenn sie das ein bisschen früher getan hätte. Ein paar Stunden später erfuhr schließlich jeder, dass die Weltklasseschwimmerin Völker von Leipzig nach Berlin geht. Linnig fühlte sich nicht ernst genommen. Dabei ist er Geschäftsführer der PR-Agentur, die einen wichtigen Sponsor von Sandra Völker vertritt, die Vereinigung Deutscher Sanitärunternehmen. In deren Namen macht sich Völker werbewirksam Gedanken über Wellness und Badezimmer.

Geschockt hat Linnig vor allem, dass seine Werbepartnerin schon wieder einen neuen Coach hat. Erst hatte sie Dirk Lange von einem Tag auf den anderen verlassen, jetzt hakt sie das Thema Jirka Letzin in Leipzig knapp ab. Das wirkt nicht besonders souverän. Vor allem nicht bei einer Frau, die von Linnig auch deshalb als Werbepartnerin gewählt wurde, „weil sie als reife Frau wirkt“. Und deshalb sagt Linnig: „Wir sind nicht sehr glücklich über ihre Entscheidung. Sie trägt nicht dazu bei, überschäumende Begeisterung bei uns auszulösen. Auch wenn sich formal erst einmal nichts ändert.“

Inhaltlich soll sich allerdings etwas ändern im Verhältnis zwischen der Schwimmerin und ihrem Sponsor. Das macht Linnig deutlich. „Im Moment haben wir keine Kommunikation, die diesen Namen verdient. Wir als Sponsor erfahren Entscheidungen spät oder gar nicht.“ Seine Meinung über den jüngsten Wechsel hat er seiner Werbepartnerin gerade schriftlich mitgeteilt.

Eine andere Einschätzung von Linnig kennt Völker dagegen schon länger. „Wir haben ihr schon mehrfach empfohlen, dass sie ihre unprofessionelle Außendarstellung bei Journalisten ändert.“ Sandra Völker pflegt mit diversen Reportern einen sehr distanzierten Umgang. Von einem Redakteur einer überregionalen Zeitung hatte sie im vergangenen Jahr sogar verlangt, der Journalist solle ihr seine Fragen vorab schriftlich zusenden. „Unsere Sorgenfalten mehren sich, wenn wir an ihre Arbeit mit Medien denken“, sagt Linnig.

Seine Agentur hat sie im Auftrag der Sanitärunternehmen auch deshalb im vergangenen Jahr unter Vertrag genommen, weil sie einen Bekanntheitsgrad und Sympathiewerte hatte. „Zu der Entscheidung stehe ich heute noch“, sagt Linnig. Aber wenn die populärste Sportlerin Hamburgs ein Jahr vor Olympia innerhalb von fünf Monaten zwei Mal den Trainer wechselt und dabei auch noch den Eindruck erzeugt, sie werde von Panik getrieben, steigert das nicht unbedingt die Sympathiewerte. „Ich weiß nicht, ob sie fünf Monate vor den Olympischen Spielen die nötige Ruhe zur Vorbereitung findet“, sagt Linnig. „Wir als Sponsoren hätten es gerne, wenn man bei ihr über etwas anderes redet als über diese Trainerwechsel.“

Der Vertrag mit der Rücken- und Freistilspezialistin, die 62 internationale Medaillen gewonnen hat, läuft bis Ende 2004. Mitte des Jahres wollen sich Völker und Linnig zusammensetzen, um über eine Vertragsverlängerung zu reden. Und, wird er verlängert, Herr Linnig? „Wenn Sie mich vor drei Tagen gefragt hätten, hätte ich gesagt, die Tendenz zur Verlängerung beträgt 80:20. Jetzt liegt sie bei 60:40.“ Er hat zudem die Befürchtung, dass sich die 29-Jährige durch die Unruhe in der Olympiavorbereitung „gar nicht für die Olympischen Spiele qualifiziert. Obwohl wir von einem Start bisher automatisch ausgegangen sind.“ Und dann? Wenn sie nicht startet? Was ist dann mit der Vertragsverlängerung? „Das kann ich im Moment nicht einschätzen.“

Irgendwann fängt Linnig an, leise zu seufzen. „Was man der Regierung Schröder vorwirft, nämlich mangelnde Vermittlung und Kommunikation, das haben wir im Fall Völker genauso.“

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