REFEREE : Die Köpfe voll

Der FC Bayern München trifft heute in der Champions League auf einen paralysierten AC Florenz

Tom Mustroph[Rom]

SCHIEDSRICHTER TOM HENNING

OVEBRO

wird das Spiel des

FC Bayern München gegen den AC Florenz pfeifen.

Der Norweger geriet schon häufiger in die Schlagzeilen: Im Champions-League-Halbfinale des FC Chelsea gegen den FC Barcelona (1:1) im Mai 2009 versagte

er Chelsea mehrere

potenzielle Elfmeter. Nach Barcelonas Finaleinzug konnte Ovebro nur unter Polizeischutz die Heimreise antreten.

Nach der Begegnung erhielt er Zeitungsberichten zufolge Morddrohungen.

Bei der EM 2008 leitete Ovebro die Partie zwischen Deutschland und Polen sowie zwischen Italien und Rumänien. In dem zweiten Spiel gab er ein Tor Italiens zu Unrecht nicht und pfiff einen umstrittenen Elfmeter gegen Italien. Danach kam er bei der EM nicht mehr zum Einsatz.

Der 43 Jahre alte Psychologe aus Oslo pfeift seit 1992 Spiele der ersten norwegischen Liga und steht seit 1994 beim auf der Fifa-Schiedsrichter-Liste. dpa

Verflogen ist der Optimismus, vergessen sind all die forschen Worte, die nach der Auslosung des Achtelfinales aus dem Lager der Fiorentina kamen. „Bloß kein Tor kassieren“ – mit diesem Minimalvorsatz treten die Spieler des AC Florenz heute Abend zum Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel beim FC Bayern an (20.45 Uhr, live bei Sat 1 und Sky).

Grund für die Verzagtheit ist Adrian Mutu. Bevor der rumänische Ausnahmestürmer mit dem verbotenen Appetitzügler Sibutramin gleich in zwei Dopingkontrollen hängen blieb, befand sich die Fiorentina noch auf Meisterschaftskurs. Doch kaum war Mutu nicht mehr dabei, lief sportlich wenig zusammen. Nur zwei Tore und ein Punkt gelangen in den vergangenen vier Spielen. Statt den vierten Platz in der Liga, der zur Qualifikation zur Champions League berechtigt, anzupeilen, dümpelt der Klub aus der Toskana auf einem schmählichen elften Tabellenrang herum. Besserung ist nicht in Sicht. Und Coach Cesare Prandelli ist ratlos. „Wir befinden uns in einer schwierigen Situation. Das Problem liegt vor allem im psychologischen Bereich. Die Spieler müssen den Kopf frei bekommen”, sagt er. Dass sich Prandellis Aussagen Woche für Woche wiederholen, nimmt ihnen nichts von ihrer Korrektheit. Deutlich wird aber auch, das er momentan über kein anderes Mittel als die Hoffnung verfügt. Dieses karge Programm verblüfft bei einem Mann, der zwei Mal zum Trainer des Jahres in Italien gekürt wurde und gegenwärtig als Geheimfavorit auf die Nachfolge von Nationalcoach Lippi gilt.

Auch Torwart Sebastian Frey flüchtet sich in psychologische Tricks und erinnert seine Kollegen an die glücklichen Tage im Herbst, als der FC Liverpool besiegt wurde. „Wir müssen die Meisterschaft vergessen und an die Leistung gegen Liverpool anknüpfen“, forderte er. Doch sein Blick nach hinten wirkt angesichts des selbstsicheren Hier und Jetzt des FC Bayern wie ein Fluchtimpuls. Zwölf Plichtspiele in Folge gewannen die Münchner zuletzt. Sie gelten als der klare Favorit für das heutige Spiel, auch wenn Trainer Louis van Gaal in der Bundesliga nach dem 3:1 gegen Dortmund mit seiner Abwehr haderte und lediglich Torhüter Hans-Jörg Butt von Fehlern freisprach. Der 35-jährige Keeper verlängerte gestern seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag um ein weiteres Jahr.

Auf positive Meldungen dieser Art wartet man in Florenz vergeblich. Der Mutu-Schock hat die Mannschaft paralysiert. Die Spieler kämpfen, aber im Spiel geht ihnen jegliche Gewitztheit verloren. Die Unsicherheit wurde durch unglückliche Transferentscheidungen vergrößert. Der als Mutu-Ersatz vorgesehene Dribbelkönig Antonio Cassano sagte in letzter Minute ab. Der Ersatz des Ersatzes, der Brasilianer Keirrison, hat Trainingsrückstand. Abwehrstratege Dainelli verließ ausgerechnet kurz vor der Verletzung seines Innenverteidigerkollegen Gamberini den Verein. Er fürchtete, wegen des in der Winterpause verpflichteten Brasilianers Felipe zum Wechselspieler degradiert zu werden. Felipe soll mit Gamberini das zentrale Duo der Zukunft bilden.

Der gewiefte Sportdirektor Pantaleo Corvino hat so sehr auf die Zukunft geschielt, dass er die Gegenwart aus dem Auge verloren hat. Auch der doppelte Ehemalige Toni, der jetzt in Rom für Furore sorgt, hält die Bayern für favorisiert. Seinem Nationalmannschaftskollegen Gilardino traut er immerhin einen Treffer zu. „Gila braucht nur einen einzigen Ball, um ein Tor zu machen“, sagte er. Trifft Gilardino, hätten die Italiener schon mehr als ihr Minimalziel erreicht.

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