Sport : Regatta auf Kurs

Der Med Cup der Segler ist weniger spektakulär als der America’s Cup – aber spannender

André Wornowski[Barcelona]
Kein guter Abgang aus dem Med Cup. Jochen Schümann und seine Segel-Crew haben beim Finale in Barcelona keine Chance mehr auf den Gesamtsieg. Foto: promo
Kein guter Abgang aus dem Med Cup. Jochen Schümann und seine Segel-Crew haben beim Finale in Barcelona keine Chance mehr auf den...Foto: Guido Trombetta

Keine Stürze, keine Schaulustigen, kein kalkulierter Wahnsinn. Beim Med Cup ist sie noch heile, die alte Segelwelt. Dafür ist aber auch ein Preis zu zahlen: weniger Aufmerksamkeit. In Barcelona, wo gerade die besten Segler um die begehrteste Einrumpfregatta-Trophäe kämpfen, verfolgt lediglich eine kleine Schar von Zuschauern die Auftaktrennen. Über eine riesige Leinwand wird der Sport vom Wasser ans Land transportiert. In Plymouth dagegen, wo zeitgleich die zweite Vorregatta zum legendären America’s Cup ausgetragen wird, können Hunderte das moderne Spektakel auf den Katamaranen mit bloßem Auge verfolgen. Und sie bekommen, was sie sehen wollen: rasende Zweirümpfer, dramatische Kenterungen.

Die Avantgardisten preisen Plymouth als die Zukunft des Segelsports. Eine Zukunft allerdings, die wohl ohne die Deutschen auskommen muss. Supersegler wie Jochen Schümann oder Markus Wieser kämpfen lieber weiter auf den klassischen Yachten beim Med Cup. „Das ist die Champions League“, sagt Schümann. Landsmann und Kontrahent Wieser hält den Med Cup sogar für populärer als das Zweirumpfsegeln, zumindest in Deutschland. „Zu Hause schauen viele unsere Rennen im Internet an“, sagt der Bayer, „da jetzt zwei deutsche Teams dabei sind, ist das Interesse viel größer geworden.“ Wieser hält die radikale Revolution beim America’s Cup für einen Fehler: „Klar, die Jungen finden das interessant“, sagt er. „Aber die wirtschaftliche Situation in der Welt, und damit auch im Segeln, ist schlecht. Und durch den Bruch werden nun Eigner und Sponsoren gespalten.“ Darunter werde der Med Cup langfristig leiden.

Eigentlich wollen sich Sportler und Organisatoren des Med Cups aber nicht mit dem America’s Cup vergleichen, das ist in diesen Tagen in Barcelona immer wieder zu hören. „Das sind zwei unterschiedliche Produkte“, sagt etwa Stephane Kandler, Manager des französischen Boots All4One, auf dem Skipper Schümann segelt. Kandler sagt: „Der America’s Cup ist als Marke weltweit bekannt.“ Der Med Cup ist dafür aber von der sportlichen Seite interessanter. In Plymouth gibt es vielleicht mehr Spektakel, aber im Med Cup mehr Spannung.

Bei den bisherigen vier Saisonetappen siegten vier unterschiedliche Teams, darunter die Deutschen: Die Container-Crew um Wieser gewann in Marseille und Schümanns Crew in Cagliari. Chancen auf den Gesamtsieg haben aber beide kaum noch. „Ich schaue gar nicht mehr auf das Klassement“, sagt Schümann. Er rangierte vor dem Finale in Barcelona auf Platz sechs. „Die anderen haben in den ersten beiden Regatten einen so großen Vorsprung rausgefahren, da fehlen uns 100 Punkte. Das ist nicht mehr aufzuholen.“

Wieser und sein Team starteten dagegen fulminant in ihre erste Med-Cup-Saison: Erst Platz zwei in Cascais, dann der Sieg in Marseille, alles schien möglich. Doch in Cagliari begannen die Probleme, die sich bis Barcelona fortsetzten. „Bei Leichtwind kommen wir nicht voran, wir sind nicht konstant genug“, sagt Wieser, der betont: „Die anderen haben das Design ihrer Segel verbessert und sind jetzt schneller.“ Der Rückstand auf die führenden US-Amerikaner von Quantum wuchs kräftig an. „Auf den Gesamtsieg brauchen wir jetzt nicht mehr zu schauen“, sagt Vorsegeltrimmer Matti Paschen, „wir müssen erst einmal andere Probleme lösen.“ Das Ziel der Crew lautet: bis Sonnabend, wenn das Finale endet, Platz drei sichern. Das wäre dann ja auch schon was.

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