Sport : Regel mit Ausnahmen

Fifa entscheidet über abweichende Transferbestimmungen

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Mit jedem Satz stieg das Erstaunen bei Heribert Bruchhagen. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hatte geglaubt, die mit dem Weltverband Fifa ausgehandelten zwei Wechselfristen (1. Juli bis 31. August und 1. Januar bis 31. Januar) seien für alle Fußball-Verbände in Europa verbindlich. Und nun saß Bruchhagen im Diplomatischen Club des Auswärtigen Amtes in Berlin und bekam bei einer Pressekonferenz der Spielergewerkschaften eher nebenbei mit, wie andere Länder die neue Fifa-Regelung umsetzen wollen. „In England gibt es neun Ausnahmen, zum Beispiel können die Torhüter jederzeit wechseln“, sagte Theo von Seggelen, Generalsekretär der internationalen Fußballspieler-Gewerkschaft Fifpro. „In Frankreich haben die Vereine einen Joker, das heißt, sie können einen Spieler pro Saison auch zwischen den Fristen abgeben oder holen.“ Bruchhagen reagierte empört. „Wenn ich das höre: Joker in Frankreich – da zieht es mir die Schuhe aus.“

Der DFL-Geschäftsführer wollte es zunächst gar nicht glauben. „Ich muss das erst überprüfen.“ Doch es stimmt. „Es gibt einen Antrag einiger Länder auf nationale Ausnahmeregelungen“, bestätigte Fifa-Pressesprecher Alain Leiblang. „Am kommenden Dienstag gibt es dazu eine offizielle Entscheidung des Exekutivkomitees.“ Bruchhagen war von der Entwicklung vollkommen überrascht. „Wenn das so ist, müssen wir rein aus Wettbewerbsgründen neu über die Transferregelung nachdenken.“

Besonders wehrte sich Bruchhagen gegen eine der neun englischen Ausnahmen. Wenn das Gehalt des Spielers nicht mehr gezahlt werde, solle sich der Profi auch außerhalb der Wechselfrist einen neuen Klub suchen dürfen. „Da ist dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet“, sagte der Liga-Vertreter. Wenn sich Verein und Spieler über einen Wechsel einig seien, müsse nur der Spieler behaupten, er bekomme kein Geld mehr und der Verein müsse das bestätigen. „Am Tag darauf spielt er beim nächsten Klub.“

Die Deutsche Fußball-Liga wird heute voraussichtlich ihre Statuten ändern, um eine Ausnahmeregelung der Fifa für arbeitslose Fußballer umzusetzen. Danach dürfen Profis, die vor dem 31. August ohne Vertrag waren, zwischen den Wechselfristen bei einem neuen Klub anheuern. Als erster Spieler würde Paulo Rink davon profitieren, der zu Energie Cottbus wechselte. Bruchhagen war zuversichtlich, dass die Klubpräsidenten heute der Statutenänderung zustimmen werden. Der DFL-Geschäftsführer sagte: „Sie glauben doch nicht, dass sich 1860-Präsident Wildmoser inhaltlich damit auseinandersetzt.“ Benedikt Voigt

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