Regelvorschläge von Marco van Basten : Kein Platz für Shoot-outs

Marco van Basten will als Technischer Direktor der Fifa mit Regeländerungsvorschlägen den Fußball verbessern. Doch dieser bedarf keiner Generalüberholung. Ein Kommentar.

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Marco van Basten hat ein paar fragwürdige Ideen.
Marco van Basten hat ein paar fragwürdige Ideen.Foto: REUTERS

Als Technischer Direktor beim Fußball-Weltverband Fifa hat Marco van Basten anscheinend viel Zeit zum Nachdenken. Seine Gedanken kreisen um Zeitstrafen, Shoot-outs, fliegende Wechsel, mehr Schiedsrichter oder – frei nach Til Schweiger – die Abschaffung des Abseits. Van Basten, so gehört es sich für einen Fifa-Funktionär, will den Fußball ehrlicher machen. Gerechter, dynamischer, interessanter. Das mag sich im Jargon unserer Zeit ganz gut anhören, ist im Kern aber völliger Unsinn.

Fußball bedarf keiner derart drastischen Generalüberholung. Warum auch? Das Spiel ist zum beliebtesten und erfolgreichsten des Erdballs geworden. Fernsehrechte werden nicht nur in Deutschland für astronomische Summen veräußert, in den großen Ligen Europas sind die Stadien voll, obwohl die Eintrittskarten bis an die Grenze des Erträglichen teuer sind. Ein weiterer Erfolgsgrund ist, dass das Spiel im Kern stets das Gleiche geblieben ist und es im Laufe der Jahre nur wenige Regeländerungen gab. Das heißt nicht, dass Neuerungen per se zu verteufeln sind. Im Basketball etwa, machten die Einführung der 24-Sekunden-Shotclock und der Dreipunktewurf das Spiel attraktiver. Beim Handball sorgt das Austauschen des Torwarts zugunsten eines siebten Feldspielers für mehr Spannung in der Schlussphase. Tischtennis ist durch den größeren Ball telegener.

Die letzten großen Regeländerungen im Fußball scheiterten

Den Regelhütern des Fußballs wurde lange Zeit Apathie vorgeworfen. Nun, so wirkt es, versuchen die neuen Köpfe der Fifa mit aller Macht innovativ zu sein. Hinter der Veränderungswut steckt aber noch mehr. Die Aufstockung der Weltmeisterschaft ab 2026 auf 48 Teilnehmer und die Einteilung der Vorrunde in Dreiergruppen könnte die Entscheidungsfindung im Turnier verkomplizieren. Tor- und punktgleiche Mannschaften wird es häufiger geben als in der Vergangenheit, kein Wunder, dass Entscheider wie van Basten nun versuchen, Phantasieergebnisse mit Hilfe eines Shoot-outs, ähnlich wie beim Eishockey, herbeiführen zu wollen. Auch Zeitstrafen statt Gelber Karten wirken sehr bei anderen abgekupfert.

Dabei genügt schon ein Blick in die jüngere Vergangenheit, um solchen Gedankenspielen mindestens skeptisch gegenüber zu stehen. Die letzten größeren Änderungen, das Golden Goal und das Silver Goal, sind grandios gescheitert.

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