Sport : Regen im Wüstenstaat

Katar German Open auf der orientalisch gestalteten Tennisanlage im Grunewald

Benedikt Voigt

Berlin – Als es am Mittag regnete im Wüstenstaat, freute sich der Scheich. „Ich mag das“, sagte Mohammed Bin Faleh Al-Thani, „bei uns in Katar gibt es nie Regen.“ Dieser Wüstenstaat aber, den der Präsident des katarischen Tennisverbandes neu errichten ließ, hat seine weißen Zelte auf der Anlage des Tennisklubs Rot-Weiß im Grunewald aufgeschlagen. Dort kann es durchaus vorkommen, dass es regnet, was den Scheich einerseits erfreut. Andererseits lässt es sich nur schlecht Tennisspielen dabei. Al-Thani sagt daher: „Es kann wieder aufhören.“

Am Samstag beginnt in Grunewalds neuem Wüstenstaat die Qualifikation für das Frauentennis-Turnier, das in diesem Jahr „Katar Total German Open“ heißt. Erstmals wird das Sandplatzturnier vom katarischen Tennisverband veranstaltet, der es im vergangenen Jahr für vier Millionen Euro vom finanzschwachen Deutschen Tennis Bund erworben hat. Es dient den Katarer als Tourismus-Werbung, weshalb nun auf der elitären Anlage am Hundekehlesee ein ausgestopftes Kamel, ein orientalisches Schloss und zahlreiche künstliche Palmen herumstehen. Wo sonst eine Tennishalle die Trainingsplätze sechs und sieben überdacht, wird sich ab Montag der VIP–Raum mit gepolsterten Sitzecken, Lichtelementen und einer touristischen Diashow finden. Im Steffi-Graf-Stadion zimmern Arbeiter gegenwärtig neue Logen zusammen, unter dem Emblem des Deutschen Tennis Bundes prangt jenes des katarischen Verbandes. Gegründet 1984.

Doch einiges bleibt unverändert. So wird das sportliche Niveau weiterhin hoch sein, das Preisgeld von 1,3 Millionen Euro zieht fünf Spielerinnen der ersten zehn der Weltrangliste an: Amelie Mauresmo, Maria Scharapowa, Serena Williams, Anastasia Myskina und Swetlana Kusnetsowa. Weiterhin profitieren die deutschen Spielerinnnen. Der DTB erhält alle vier Wild Cards für das Hauptfeld, sowie vier Wild Cards für die Qualifikation. In der vergangenen Woche glaubte die deutsche Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner noch, dass ihr nur eine Wild Card für das Hauptfeld zur Verfügung stehen wird. „Wir hatten uns noch nicht entschieden“, erklärt Ayman Azmy Galal, der neue Turnierdirektor.

Im Büro des langjährige Turnierdirektors Eberhard Wensky macht sich nun die „Total-Lounge“ breit. Und auch für sein legendäres rot-weißes Jackett, das Wensky während der Turniertage trug, wird sich keine Verwendung finden. Der neue Turnierdirektor sagt: „Ich hasse Jacketts.“

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