Sport : Regenmacher gesucht

In Magny-Cours wird am Sonntag wohl die Sonne scheinen – doch dafür hat Ferrari keine passenden Reifen

Karin Sturm

Magny-Cours. Ach, wenn es doch immer so wäre wie am Freitag in Magny-Cours, dann müssten sich Michael Schumacher und einige seiner Formel-1-Kollegen weniger Sorgen machen. Es hat geregnet am Freitag, viel Wasser prasselte auf den Formel-1-Kurs, auf dem am Sonntag der Große Preis von Frankreich ausgetragen wird (14 Uhr, live in RTL und Premiere). Und als es regnete, fand das erste Training statt. Deshalb, besser gesagt: vor allem deshalb hat Michael Schumacher, der Weltmeister im Ferrari, seinem McLaren-Mercedes-Rivalen David Coulthard eine Sekunde abgenommen. Allerdings belegte Schumacher nur Platz sechs, Coulthard wurde Siebter. Schumachers schärfster Gegner im Kampf um die WM, Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) wurde nur 17. Es gewann Jos Verstappen (Minardi).

Ferrari fährt Bridgestone-Reifen, und die sind bei Regen besser als Michelin, die McLaren-Mercedes benutzt. Andererseits sind die Michelin-Reifen bei trockener Strecke erheblich besser als die von Bridgestone. Und deshalb sind die Chancen von Ferrari am Sonntag nicht allzu groß, es sei denn, es regnet fürchterlich. „Aus eigener Kraft hat Ferrari hier eher keine Siegchance“, sagte BMW-Williams-Pilot Ralf Schumacher. Mal langsam, erwiderte Michael Schumacher: „Wenn’s regnet, haben wir schon eine Chance.“

Wenn’s regnet. In diesem kleinen Nebensatz steckte die ganze Problematik: Nach den Reifen-Problemen am Nürburgring schrillten bei Ferrari alle Alarmglocken. Denn das Auto des Weltmeisters war das ganze Rennen über schlechter als die Boliden der direkten Konkurrenz. Doch das ist man bei den Italienern schlichtweg nicht mehr gewöhnt. Selbst Ferrari-Technikchef Ross Brawn gibt inzwischen zu, dass etwas passieren muss: „Wenn sich nicht sofort etwas ändert, haben wir wirklich ernste Schwierigkeiten.“ Nach dem Rennen auf dem Nürburgring hatte er noch versucht, von den eigenen Problemen abzulenken, indem er sich heftig auf Juan Pablo Montoya einschoss, der in seinem BMW-Williams mit Michael Schumacher kollidiert war.

Auf das aktuelle Wetter kann Ferrari nicht mehr reagieren. Die Reifen für Magny-Cours mussten schon auf dem Nürburgring ausgewählt werden, und generell kommt der französische Kurs Michelin entgegen: relativ glatter Asphalt und normalerweise ziemlich hohe Temperaturen – und kein Regen. „Jetzt haben wir so gute Regenreifen, aber es kommt einfach kein Regenrennen mehr“, sagte Michael Schumacher ironisch. Für Sonntag ist Gluthitze angekündigt.

Das kommt natürlich Räikkönen entgegen. „Wir sollten hier normalerweise sehr gut aussehen – wenn ich mich mal auf die Wettervorhersage verlasse.“ Auch wenn Weltmeister Michael Schumacher versucht, optimistisch zu bleiben, und sich erinnert, „dass Bridgestone bis jetzt immer etwas eingefallen ist, wenn wir Probleme hatten“ – Ferraris Probleme sind gewaltig. Denn vom Rennen in Silverstone an, dem Rennen am 20. Juli, herrscht bis 1. September Testverbot. Doch wer neue Reifen entwickelt und sie nicht testen darf, der arbeitet wie ein Busfahrer, der im Tunnel eine Sonnenbrille auf der Nase hat.

Gut möglich, dass diese Perspektiven Ferrari nervös machen. Jedenfalls leistete sich Michael Schumachers Boxencrew am Freitagvormittag einen gewaltigen und teuren Patzer. Denn die Helfer ließen Schumacher nach einem Stopp in die Boxengasse fahren, ohne zu bemerken, dass von hinten Mark Webber im Jaguar ankam. Ergebnis: Es krachte, und der Jaguar hatte einen Frontflügel weniger. Der Weltverband Fia reagierte prompt: 10 000 Dollar muss Ferrari für diesen Crash zahlen.

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