Regensburg steigt in die Zweite Liga auf : Wie ein WM-Titel für Österreich

Der SSV Jahn Regensburg steigt nach der geglückten Relegation gegen den Karlsruher SC in die Zweite Liga auf - und das mit einem Mini-Etat von 1,5 Millionen Euro.

Stefan Bröhl
Trainer, flieg! Und zwar von Regensburg nach Augsburg. Markus Weinzierl betreut künftig den schwäbischen Bundesligisten.
Trainer, flieg! Und zwar von Regensburg nach Augsburg. Markus Weinzierl betreut künftig den schwäbischen Bundesligisten.Foto: dpa

Als am Montagabend gegen 22:18 Uhr der Abpfiff im Karlsruher Wildpark erfolgte, kannte der Jubel der Regensburger keine Grenzen. Nach einer langen und strapaziösen Saison in der Dritten Liga war der SSV Jahn Regensburg doch noch aufgestiegen. Niemand hatte vor der Spielzeit damit gerechnet. Denn der SSV Jahn Regensburg wurde als Abstiegskandidat gehandelt. Der Gesamtetat betrug nur 1,5 Millionen Euro. Teammanager Klaus Sturm war am Dienstagmittag noch in gelöster Stimmung. Sturm sagte dem Tagesspiegel: „Vor der Saison war unser einziges Ziel nicht abzusteigen. Jetzt sind wir mit dem kleinsten Etat in die Zweite Liga aufgestiegen. Das ist im deutschen Fußball einmalig.“

Vor der Spielzeit verließen einige Leistungsträger den Verein und wurden durch vereinslose- und Spieler aus unterklassigen Ligen ersetzt. Fußballlehrer Markus Weinzierl formte schnell eine homogene Mannschaft. Nach einem guten Saisonstart gab es immer wieder kleine Schwächephasen. So verlor der Jahn die direkten Aufstiegsplätze an Sandhausen und Aalen, schaffte es am Ende aber noch auf den Relegationsplatz. Tobias Schweinsteiger, der ältere Bruder von Nationalspieler Bastian, glänzte mit seiner Erfahrung und seinem Torjägerinstinkt. 14 Tore erzielte er, fünf weitere bereitete er vor. Die offensiven Flügelspieler Michael Klauß (neun Tore, drei Vorlagen) und Jim-Patrick-Müller (sechs Tore, sechs Vorlagen) waren die Entdeckungen der Saison, auch Selcuk Alibaz (vier Tore, zehn Vorlagen) und Innenverteidiger André Laurito (sechs Tore) bewiesen ihr Können.

Obwohl Führungsspieler wie Schweinsteiger und Klauß lange ausfielen, zeigte die Mannschaft gerade auswärts beeindruckende Leistungen. Mit einem Punkt Vorsprung erreichte der Jahn schließlich die Relegation gegen den Karlsruher SC. Nach dem 1:1 in Regensburg dachten viele, dass sich im vierten Jahr der Relegation erstmals der Zweitligist durchsetzen würde. Regensburg belehrte alle eines Besseren. Der KSC erspielte sich am Montag zwar mehr Chancen, wusste diese aber nicht zu nutzen. Das 1:0 für den SSV war folgerichtig. Oliver Hein zog vom rechten Strafraumeck ab und jagte den Ball in den Winkel. Nachdem der KSC das Spiel gedreht hatte, schien der Jahn wie schon einige Male in dieser Spielzeit geschlagen. Doch erneut kam die größte Stärke des Teams zum Tragen: Der Glaube an sich selbst. Der bis dahin unglücklich agierende Laurito köpfte nach einer Ecke zum Ausgleich ein. Anschließend folgte eine Abwehrschlacht, bei der die Regensburger am Ende nur noch neun Mann auf dem Platz hatten. Dennoch hielt Jahn stand und stieg auf.

Wie aber soll es mit der Mannschaft weitergehen? Der Etat soll vier Millionen Euro betragen, für die Zweite Liga ist das sehr wenig Geld. Manager Franz Gerber sagte zur Personalsituation kurz nach Abpfiff in Karlsruhe: „Ich befürchte, dass einige Spieler schon bei anderen Vereinen unterschrieben haben und dass die Mannschaft auseinander fällt. “ Den Kampf um Trainer Weinzierl scheint der Klub verloren zu haben: „Die Signale aus Augsburg sind recht deutlich.“

Torwart Michael Hofmann stellte folgenden Vergleich an: „Was wir mit dem Jahn erreicht haben, ist vergleichbar mit einem WM-Titel für Österreich im Fußball. Die Zweite Liga wird für uns ein riesiges Abenteuer.“ Vielleicht hält dieses Abenteuer länger an, denn mit der Rolle des Underdogs kommt Jahn Regensburg – wie in dieser Saison bewiesen – gut zurecht. (mit dpa)

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