Regionalliga Nord : 1. FC Union steht bei Aufstieg ohne Stadion da

Der 1. FC Union Berlin hat ein Problem: Als Tabellenführer der Fußball-Regionalliga-Nord steht der Traditionsklub vor dem Aufstieg in die zweite Liga, doch das Union-Stadion in Treptow-Köpenick genügt derzeit nicht einmal den DFB-Anforderungen für die dritte Liga.

Matthias Koch

Berlin - Das Zeltdach der Vip-Lounge des Stadions An der Alten Försterei schlackerte hin und her, während Dirk Zingler redete. Der Präsident des Fußball-Regionalligisten 1. FC Union Berlin ließ sich von den Windstößen aber nicht ablenken, ja, sie passten sogar ganz gut zum Thema. Es ging mal wieder um das marode Stadion. „Wir haben das Land Berlin darüber informiert, dass wir die Verkaufsverhandlungen für das Gelände unter den derzeitigen Bedingungen als gescheitert ansehen“, sagte Zingler, der vor einem Jahr Pläne für eine Arena zum Preis von 17 Millionen Euro vorgestellt hatte.

Ein Jahr später ist der Preis allein für das Stadiongelände plötzlich um 1,89 Millionen Euro gestiegen. Eigentlich hatte der Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses im Frühjahr 2007 der Übertragung des Stadiongeländes zum symbolischen Preis von einem Euro zugestimmt. Doch rechtliche Prüfungen in den vergangenen Monaten und das Veto der Europäischen Union machten diesen Plan zunichte.

Union besitzt nun mehrere Probleme. Der Deutsche Fußball-Bund erlaubt die ruinierten Stehplatztraversen weder für die Zweite noch die neue Dritte Liga. Im Falle des Aufstieges in die zweithöchste Spielklasse muss zudem eine Rasenheizung eingebaut werden. Umziehen wollen die Unioner auch nicht. „Spiele im Olympiastadion oder Jahn-Sportpark wird es mit dieser Vereinsführung nicht geben“, sagte Zingler. „Die Alte Försterei gehört zur Identität des Vereins.“

Nachdem der Verein, der Bezirk Treptow-Köpenick und das Land Berlin über drei Jahre lang vergeblich um das Stadiongelände gefeilscht haben, will sich der Klub nun wieder auf die Rolle des Mieters beschränken, der vom Vermieter seine Rechte einfordert. Bis Ende April können den Lizenzierungsunterlagen des DFB und der DFL noch Baupläne beigefügt werden. „Wir sind bereit, die Stadt als Eigentümer bei den Sanierungsarbeiten zu unterstützen“, sagte Zingler. „Aber die Zeit für Entscheidungen ist jetzt gekommen.“ Eine Sprecherin der Finanzverwaltung des Senats erklärte auf Nachfrage, dass nach dem gescheiterten Verkauf nun wieder der Sportsenat und das Sportamt Treptow-Köpenick zuständig seien. Präsident Zingler informierte gestern Abend bei einem Fantreffen die Anhänger über die neue Entwicklung. Sie nahmen die Nachricht mit Fassung auf und wollen dem Senat Zeit zum Nachdenken lassen. Für den Fall aber, dass es keine Lösung gibt, kündigten sie Protestaktionen an.

Mitarbeit: Lothar Heinke

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