Sport : Regisseur auf Abwegen

Widolow führt Union zum 3:1-Sieg über Lübeck – und will weg

Karsten Doneck

Berlin. Alles drehte sich um Kostadin Widolow. Alle drei Treffer hatte der Mann mit der Trikotnummer 8 vorbereitet, zudem noch einmal den Pfosten des gegnerischen Tores getroffen. „Solche Leute wie ihn findest du nicht an jeder Ecke, er ist ein großer Spielmacher“, sagte Trainer Mirko Votava fast schwärmerisch. Dank der klugen Vorbereiter-Dienste von Widolow beendete Fußball-Zweitligist 1. FC Union mit einem 3:1 (1:0)-Erfolg über Aufsteiger VfB Lübeck seine trostlose Serie von neun sieglosen Punktspielen in Folge. Groß war danach die Erleichterung bei den Köpenickern, Präsident Heiner Bertram sprach von „einem Befreiungsschlag, außerordentlich wichtig für den Verein“. Doch mitten hinein in die Freude platzte eine weniger erfreuliche Kunde: Kostadin Widolow hat den Verein um eine vorzeitige Freigabe aus seinem am Saisonende auslaufenden Vertrag gebeten. Er will zu Beginn der Winterpause in seine Heimat Bulgarien zurück, „familiäre Gründe“, sagt er, seien dafür ausschlaggebend.

Union gibt den Kampf um Widolow indes nicht verloren. „Noch hoffe ich, dass er bleibt“, sagt Votava. Widolow will seine Entscheidung bereits in dieser Woche bekannt geben. Eine Entscheidung, die angeblich nichts damit zu tun hat, dass sich Union unlängst von Trainer Georgi Wassilew, einem Landsmann von Widolow, getrennt hat. Union bleibt die Möglichkeit, auf Vertragserfüllung zu bestehen, aber Pressesprecher Lars Töffling macht schon mal deutlich, dass eine harte Haltung nicht in jedem Fall sinnvoll wäre. „Was nützt uns ein Spieler, der unzufrieden und mit seinen Gedanken schon gar nicht mehr bei uns ist?“, sagt Töffling. Auch er weiß allerdings: „Widolow ist fußballerisch mit Abstand der Beste bei uns, er ist ein Profi durch und durch. Für ihn spricht auch, dass er sich jetzt gegen Lübeck nicht hat hängen lassen.“

Kostadin Widolow trieb den 1. FC Union vor 7020 Zuschauern im Stadion an der Alten Försterei zum Sieg. Einen seiner präzisen Freistöße verwandelte Michael Molata zur 1:0-Führung, einen Eckstoß des Bulgaren verlängerte Steffen Baumgart nach der Pause mit dem Hinterkopf zum 2:1 ins Netz. Und schließlich bereitete der Bulgare auch noch das 3:1 vor. Sein langer Pass erreichte Sreto Ristic, der den Ball uneigennützig zu Cristian Fiel weiterleitete. Und Fiel traf. Kurz vor der Pause hatte Feridoon Zandi für Lübeck den Ausgleich geschafft, und Union-Torwart Wulnikowski verhinderte später mit einem Reflex gegen Maik Kunze das 2:2.

Union musste das Spiel übrigens ohne seinen zwölften Mann beenden. Das Maskottchen mit dem Namen Prinz Eisenheart, das im Stadion bei den Heimspielen so wundersam verkleidet und völlig harmlos vom Spielfeldrand aus die Zuschauer in Fahrt bringt, wurde aus dem Innenraum verwiesen. Der auf der Tribüne sitzende DFB-Schiedsrichterbeobachter Wilfried Heitmann aus Drentwede hatte sich daran gestört, dass jenes Maskottchen beim Jubel über das 1:0 auf den Platz gerannt war. Heitmann bat Unions Präsident Bertram, den vermeintlichen Störenfried entfernen zu lassen. Das geschah, und Stadionsprecher Andre Rolle konnte es sich nicht verkneifen, über Lautsprecher das Publikum über die Rote Karte zu informieren. Heitmann erntete Hohngelächter.

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