Reif aus dem Stadion : Der Kölner Plan

Unser Kolumnist Marcel Reif analysiert die Entwicklungen beim 1. FC Köln nach dem 4:1-Sieg beim rheinischen Rivalen aus Leverkusen.

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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Muss ich jetzt eigentlich wissen, wie der Trainer des 1. FC Köln heißt? Kierkegaard, oder? Klar, ich muss es wissen, ich weiß es auch, Stale Solbakken. Der ist Norweger. Und hat eine dänische Mannschaft trainiert. Nationaltrainer der Dänen ist Morton Olsen. Der hat mal beim FC gespielt. Und ihn trainiert. Er kam damals mit einem Plan, aber weder der Verein noch die Spieler konnten mit dem Plan etwas anfangen. Kierke..., nein Solbakken hat auch einen Plan, vielleicht ist es ein guter Plan, man weiß es noch nicht. Auf dem Papier ist es ein sehr guter Plan, er baut auch auf die Erfahrung des Sportdirektors Volker Finke. Auf dem Rasen war der Plan noch nicht aufgegangen. Bisher. Die Maßnahme, Lukas Podolski, dem Volkshelden, dem Nationalspieler, dem einzigen, der vom Können her noch Kontakt hat zu den Zeiten, als der FC noch jemand war im deutschen Fußball, diesem Podolski das Kapitänsamt zu entziehen, kann ein Signal sein. Aber welches? Und wofür? Möglicherweise hat es interne Probleme gegeben, man weiß davon nichts, ohne die erschließt sich die Maßnahme nicht. Oder doch? Gestern war Podolski der überragende Mann.

Auch die Ein- und Verkaufspolitik des Volker Finke hat sich bislang noch nicht erschlossen. Der Kader, den die Kölner in dieser Saison präsentieren, der ist, so scheint es mir zu sein, nicht bundesligatauglich. Bisher. Über das Treffen bei Bayer Leverkusen sprechen sie in Köln von einem Derby. Klar, stimmt, die beiden Städte liegen Tür an Tür. Aber Derby? Zweier Gleichgestellter? Da lächeln sie in Leverkusen allenfalls mitleidig. Der FC ist nicht mehr ebenbürtig. Oder doch? Der FC 2011 ist eigentlich nur noch Vergangenheit, große Vergangenheit. Und wie kommt man wieder dahin zurück? "Wachsen im geistigen Sinne bedeutet nicht, größer werden, sondern kleiner werden." Das ist nicht von mir, das ist von Sören Kierkegaard. Der Mann hat recht. Und nun haben sie sich klein gemacht, die Kölner in Leverkusen. Und sind groß geworden. Sehr überzeugend. Wie gut für den FC, dass Podolski keine Binde braucht, um Kapitän zu sein. Möglicherweise ist Stale Solbakken doch ein gewiefter Taktiker.

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